Der Eispeter

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Wilhelm Busch: Der Eispeter (1870)

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Als Anno 12 das Holz so rar,
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Und als der kalte Winter war,

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Da blieb ein jeder gern zu Haus;
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Nur Peter muß aufs Eis hinaus.

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Da draußen, ja, man glaubt es kaum,
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Fiel manche Krähe tot vom Baum.

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Der Onkel Förster warnt und spricht:
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»mein Peter, heute geht es nicht!«

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Auch ist ein Hase bei den Ohren
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Ganz dicht am Wege festgefroren.

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Doch Peter denkt: Tralitrala!
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Und sitzt auf einem Steine da.

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Nun möchte Peter sich erheben,
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Die Hose bleibt am Steine kleben.

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Der Stoff ist alt, die Lust ist groß,
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Der Peter reißt sich wieder los.

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Na, richtig! Ja, ich dacht es doch!
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Da fällt er schon ins tiefe Loch.

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Mit Hinterlassung seiner Mütze
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Steigt Peter wieder aus der Pfütze.

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Bald schießt hervor, obschon noch klein,
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Ein Zacken Eis am Nasenbein.

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Der Zacken wird noch immer besser
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Und scharf als wie ein Schlachtermesser.

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Der Zacken werden immer mehr,
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Der Nasenzacken wird ein Speer.

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Und jeder fragt: Was mag das sein?
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Das ist ja wie ein Stachelschwein!

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Die Eltern sehen nach der Uhr:
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»ach, ach! wo bleibt denn Peter nur?«

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Da ruft der Onkel in das Haus:
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»der Schlingel ist aufs Eis hinaus!«

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Mit einer Axt und stillem Weh
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Sucht man den Peter hier im Schnee.

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Schon sieht man mit besorgtem Blick
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Ein Teil von Peters Kleidungsstück.

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Doch größer war die Trauer da,
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Als man den Peter selber sah.

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Hier wird der Peter transportiert,
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Der Vater weint, die Träne friert.

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Behutsam läßt man Peters Glieder
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Zu Haus am warmen Ofen nieder.

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Juchhe! Die Freudigkeit ist groß;
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Das Wasser rinnt, das Eis geht los.

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Ach, aber ach! Nun ist's vorbei!
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Der ganze Kerl zerrinnt zu Brei.

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Hier wird in einen Topf gefüllt
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Des Peters traurig Ebenbild.

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Ja, ja! In diesen Topf von Stein,
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Da machte man den Peter ein,

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Der, nachdem er anfangs hart,
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Später weich wie Butter ward.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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