Ich bin Papa

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Wilhelm Busch: Ich bin Papa (1870)

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Mitunter schwitzen muß der Schreiner,
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Er stößt auf manchen harten Ast.
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So geht es auch, wenn unsereiner
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Sich mit der Grübelei befaßt.

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Zum Glück hat meine gute Frau,
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Die liebevoll an alles denkt,
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Mir einen kleinen Fritz geschenkt,
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Denn oft erfreut mich dieser Knabe
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Durch seinen kindlichen Radau,
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Wenn ich so meine Schrullen habe.

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Heut mittag gab es wieder mal
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Mein Leibgericht, gespickten Aal,
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Und wie ich dann zur Körperpflege,
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Die Weste auf, die Augen zu,
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Die Hände friedlich auf dem Magen
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Im Polsterstuhl mich niederlege,
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Oh weh, ein Schwarm von dummen Fragen
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Verscheucht die heißersehnte Ruh.

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Ach, wird es mir denn niemals klar,
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Wo ich gewesen, eh ich war?
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Schwamm ich, verkrümelt in Atome,
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Gedankenlos im Wirbelstrome,
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Bis ich am Ende mich verdichtet
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Zu einer denkenden Person?
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Und jetzt, was hab ich ausgerichtet?
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Was war der Mühe karger Lohn?
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Das Geld ist rar, die Kurse sinken,
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Dagegen steigt der Preis der Schinken.
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Fast jeden Morgen klagt die Mutter:
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Ach Herr, wie teuer ist die Butter!
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Ja, selbst der Vater wird gerührt,
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Wenn er sein kleines Brötchen schmiert.
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Und doch, trotz dieser Seelenleiden,
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Will keiner gern von hinnen scheiden.
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Wer weiß?

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Ei sieh, wer kommt denn da?
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Hallo, der Fritz! Nun wird es heiter,
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Nun machen wir den Eselreiter.
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Flugs stell ich mich auf alle Viere,
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Indem ich auf und ab marschiere,
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Und rufe kräftig mein Ih – ah!
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Vor Wähligkeit und Übermut.

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Ih – ah! Die Welt ist nicht so übel.
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Wozu das närrische Gegrübel?
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Ich bin Papa, und damit gut.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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