Ich schlief. Da hatt' ich einen Traum

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Wilhelm Busch: Ich schlief. Da hatt' ich einen Traum Titel entspricht 1. Vers(1870)

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Ich schlief. Da hatt' ich einen Traum.
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Mein Ich verließ den Seelenraum.
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Frei vom gemeinen Tagesleben,
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Vermocht ich leicht dahinzuschweben.
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So, angenehm mich fortbewegend,
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Erreicht ich eine schöne Gegend.
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Wohin ich schwebte, wuchs empor
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Alsbald ein bunter Blumenflor,
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Und lustig schwärmten um die Dolden
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Viel tausend Falter, rot und golden.
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Ganz nah auf einem Lilienstengel,
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Einsam und sinnend, saß ein Engel,
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Und weil das Land mir unbekannt,
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Fragt ich: Wie nennt sich dieses Land?
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Hier, sprach er, ändern sich die Dinge.
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Du bist im Reich der Schmetterlinge.
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Ich aber, wohlgemut und heiter,
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Zog achtlos meines Weges weiter.
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Da kam, wie ich so weiter glitt,
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Ein Frauenbild und schwebte mit
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Als ein willkommenes Geleite,
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Anmutig lächelnd mir zur Seite,
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Und um sie nie mehr loszulassen,
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Dacht ich die Holde zu umfassen;
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Doch eh ich Zeit dazu gefunden,
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Schlüpft sie hinweg und ist verschwunden.
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Mir war so schwül. Ich mußte trinken.
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Nicht fern sah ich ein Bächlein blinken.
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Ich bückte mich hinab zum Wasser.
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Gleich faßt ein Arm, ein kalter, blasser,
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Vom Grund herauf mich beim Genick.
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Zwar zog ich eilig mich zurück,
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Allein der Hals war steif und krumm,
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Nur mühsam dreht ich ihn herum,
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Und ach, wie war es rings umher
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Auf einmal traurig, öd und leer.
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Von Schmetterlingen nichts zu sehn,
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Die Blumen, eben noch so schön,
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Sämtlich verdorrt, zerknickt, verkrumpelt.
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So bin ich seufzend fortgehumpelt,
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Denn mit dem Fliegen, leicht und frei,
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War es nun leider auch vorbei.
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Urplötzlich springt aus einem Graben,
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Begleitet vom Geschrei der Raben,
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Mir eine Hexe auf den Nacken
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Und spornt mich an mit ihren Hacken
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Und macht sich schwer wie Bleigewichte
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Und drückt und zwickt mich fast zunichte,
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Bis daß ich matt und lendenlahm
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Zu einem finstern Walde kam.
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Ein Jägersmann, dürr von Gestalt,
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Trat vor und rief ein dumpfes Halt.
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Schon liegt ein Pfeil auf seinem Bogen,
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Schon ist die Sehne straff gezogen.
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Jetzt trifft er dich ins Herz, so dacht ich,
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Und von dem Todesschreck erwacht ich
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Und sprang vom Lager ungesäumt,
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Sonst hätt' ich wohl noch mehr geträumt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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