Der Philosoph

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Wilhelm Busch: Der Philosoph (1870)

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Ein Philosoph von ernster Art,
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Der sprach und strich sich seinen Bart:

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Ich lache nie. Ich lieb es nicht,
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Mein ehrenwertes Angesicht
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Durch Zähnefletschen zu entstellen
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Und närrisch wie ein Hund zu bellen;
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Ich lieb es nicht durch ein Gemecker
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Zu zeigen, daß ich Witzentdecker;
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Ich brauche nicht durch Wertvergleichen
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Mit andern mich herauszustreichen,
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Um zu ermessen, was ich bin,
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Denn dieses weiß ich ohnehin.

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Das Lachen will ich überlassen
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Den minder hochbegabten Klassen.
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Ist einer ohne Selbstvertraun
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In Gegenwart von schönen Fraun,
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So daß sie ihn als faden Gecken
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Abfahren lassen oder necken,
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Und fühlt er drob geheimen Groll
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Und weiß nicht, was er sagen soll,
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Dann schwebt mit Recht auf seinen Zügen
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Ein unaussprechliches Vergnügen.

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Und hat er Kursverlust erlitten,
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Ist er moralisch ausgeglitten,
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So gibt es Leute, die doch immer
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Noch dümmer sind als er und schlimmer,
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Und hat er etwa krumme Beine,
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So gibt's noch krümmere als seine.
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Er tröstet sich und lacht darüber
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Und denkt: Da bin ich mir doch lieber.

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Den Teufel laß ich aus dem Spiele.
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Auch sonst noch lachen ihrer viele,
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Besonders jene ewig Heitern,
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Die unbewußt den Mund erweitern,
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Die, sozusagen, auserkoren
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Zum Lachen bis an beide Ohren.

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Sie freuen sich mit Weib und Kind
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Schon bloß, weil sie vorhanden sind.

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Ich dahingegen, der ich sitze
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Auf der Betrachtung höchster Spitze,
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Weit über allem Was und Wie,
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Ich bin für mich und lache nie.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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