Fing man vorzeiten einen Dieb

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Wilhelm Busch: Fing man vorzeiten einen Dieb Titel entspricht 1. Vers(1870)

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Fing man vorzeiten einen Dieb,
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Hing man ihn auf mit Schnellbetrieb,
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Und meinte man, er sei verschieden,
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Ging man nach Haus und war zufrieden.
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Ein Wandrer von der weichen Sorte
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Kam einst zu solchem Galgenorte
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Und sah, daß oben einer hängt,
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Dem kürzlich man den Hals verlängt.
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Sogleich, als er ihn baumeln sieht,
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Zerfließt in Tränen sein Gemüt.
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Ich will den armen Schelm begraben,
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Denkt er, sonst fressen ihn die Raben.
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Nicht ohne Müh, doch mit Geschick,
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Klimmt er hinauf und löst den Strick;
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Und jener, der im Wind geschwebt,
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Liegt unten, scheinbar unbelebt.
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Sieh da, nach Änderung der Lage
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Tritt neu die Lebenskraft zutage,
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So daß der gute Delinquent
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Die Welt ganz deutlich wiederkennt.
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Zärtlich, als wär's der eigne Vetter,
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Umarmt er seinen Lebensretter
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Nicht einmal, sondern nocheinmal,
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Vor Freude nach so großer Qual.
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Mein lieber Mitmensch, sprach der Wandrer,
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Geh in dich, sei hinfür ein andrer,
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Zum Anfang für dein neues Leben
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Werd' ich dir jetzt zwei Gulden geben.
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Das Geben tat ihm immer wohl.
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Rasch griff er in sein Kamisol,
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Wo er zur langen Pilgerfahrt
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Den vollen Säckel aufbewahrt.
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Er sucht und sucht und fand ihn nicht,
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Und länger wurde sein Gesicht.
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Er sucht und suchte wie ein Narr,
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Weit wird der Mund, das Auge starr,
37
Bald ist ihm heiß, bald ist ihm kalt.
38
Der Dieb verschwand in Tannenwald.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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