Die Meise

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Wilhelm Busch: Die Meise (1870)

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Auguste, wie fast jede Nichte,
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Weiß wenig von Naturgeschichte.
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Zu bilden sie in diesem Fache,
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Ist für den Onkel Ehrensache.

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Auguste, sprach er, glaub es mir,
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Die Meise ist ein nettes Tier.
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Gar zierlich ist ihr Leibesbau,
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Auch ist sie schwarz, weiß, gelb und blau.
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Hell flötet sie und klettert munter
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Am Strauch kopfüber und kopfunter.
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Das härt'ste Korn verschmäht sie nicht,
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Sie hämmert, bis die Schale bricht.
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Mohnköpfen bohrt sie mit Verstand
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Ein Löchlein in den Unterrand,
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Weil dann die Sämerei gelind
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Von selbst in ihren Schnabel rinnt.
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Nicht immer liebt man Fastenspeisen,
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Der Grundsatz gilt auch für die Meisen.
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Sie gucken scharf in alle Ritzen,
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Wo fette Käferlarven sitzen,
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Und fangen sonst noch Myriaden
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Insekten, die dem Menschen schaden,
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Und hieran siehst du außerdem,
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Wie weise das Natursystem. –
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So zeigt er wie die Sache lag.

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Es war kurz vor Martinitag.
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Wer dann vernünftig ist und kann's
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Sich leisten, kauft sich eine Gans.

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Auch an des Onkels Außengiebel
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Hing eine solche, die nicht übel,
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Um, nackt im Freien aufgehangen,
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Die rechte Reife zu erlangen.
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Auf diesen Braten freute sich
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Der Onkel sehr und namentlich
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Vor allem auf die braune Haut,
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Obgleich er sie nur schwer verdaut.

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Martini kam, doch kein Arom
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Von Braten spürt der gute Ohm.
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Statt dessen trat voll Ungestüm
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Die Nichte ein und zeigte ihm
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Die Gans, die kaum noch Gans zu nennen,
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Ein Scheusal, nicht zum Wiederkennen,
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Zernagt beinah bis auf die Knochen.
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Kein Zweifel war, wer dies verbrochen,
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Denn deutlich lehrt der Augenschein,
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Es konnten nur die Meisen sein.
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Also ade! du braune Kruste.

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Ja, lieber Onkel, sprach Auguste,
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Die gern, nach weiblicher Manier,
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Bei einem Irrtum ihn ertappt:
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Die Meise ist ein nettes Tier.
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Da hast du wieder recht gehabt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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