[nun, da die Frühlingsblumen wieder blühen]

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Wilhelm Busch: [nun, da die Frühlingsblumen wieder blühen] (1870)

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Nun, da die Frühlingsblumen wieder blühen,
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In milder Luft die weißen Wolken ziehen,
3
Denk ich mit Wehmut deiner Lieb und Güte,
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Du süßes Mädchen, das so früh verblühte.
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Du liebtest nicht der Feste Lärm und Gaffen,
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Erwähltest dir daheim ein stilles Schaffen,
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Die Sorge und Geduld, das Dienen, Geben,
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Ein innigliches Nurfürandreleben.
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So teiltest du in deines Vaters Haus
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Den Himmelsfrieden deiner Seele aus.
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Bald aber kamen schwere, schwere Zeiten.
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Wir mußten dir die Lagerstatt bereiten;
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Wir sahn, wie deine lieben Wangen bleichten,
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Sahn deiner Augen wundersames Leuchten;
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Wir weinten in der Stille, denn wir wußten,
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Daß wir nun bald auf ewig scheiden mußten.
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Du klagtest nicht. Voll Milde und Erbarmen
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Gedachtest du der bittern Not der Armen,
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Gabst ihnen deine ganze kleine Habe
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Und seufztest tief, daß so gering die Gabe.
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Es war die letzte Nacht und nah das Ende;
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Wir küßten dir die zarten weißen Hände;
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Du sprachst, lebt wohl, in deiner stillen Weise,
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Und: oh, die schönen Blumen! riefst du leise.
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Dann war's vorbei. Die großen Augensterne,
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Weit, unbeweglich, starrten in die Ferne,
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Indes um deine Lippen, halbgeschlossen,
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Ein kindlichernstes Lächeln ausgegossen.
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So lagst du da, als hättest du entzückt
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Und staunend eine neue Welt erblickt.
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Wo bist du nun, du süßes Kind, geblieben?
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Bist du ein Bild im Denken deiner Lieben?
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Hast du die weißen Schwingen ausgebreitet,
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Und zogst hinauf von Engelshand geleitet
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Zu jener Gottesstadt im Paradiese,
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Wo auf der heiligstillen Blütenwiese
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Fernher in feierlichem Zug die Frommen
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Anbetend zu dem Bild des Lammes kommen?
39
Wo du auch seist; im Herzen bleibst du mein.
40
Was Gutes in mir lebt, dein ist's allein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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