O Brautgeschenk, das einst am Hochzeittage

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Wilhelm Waiblinger: O Brautgeschenk, das einst am Hochzeittage Titel entspricht 1. Vers(1817)

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O Brautgeschenk, das einst am Hochzeittage
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Proserpinen der große Vater gab,
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Der Ceres Liebe wie der Ceres Klage,
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Dianens Wieg' und der Giganten Grab,
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O schönste Heimath frommer Göttersage,
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Dem Königsscepter und dem Hirtenstab,
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Der Nachtigall, dem Veilchen und Cyanen,
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Der Flamme heilig und des Bergs Orkanen;

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O Eiland, mir geliebt seitdem ich liebe,
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Mir werth seit ich für Heldenkraft entglüht,
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Seit an der Lipp', entflammt von größrem Triebe,
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Der Dichtkunst Götterbecher mir geblüht,
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Seit ich die priesterlichen Pflichten übe,
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Das Feuer hütend, das in Delfi sprüht,
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Seit ich gelernt, wie große Männer werden,
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Und lehre was ich nie gelernt auf Erden.

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Noch einmal, theures Eiland, laß mich denken,
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Was deine Berg' und Meere mir gezeigt.
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Im Purpurglanz mit ihr mich zu versenken,
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Der Sonne, die zum goldnen Bad sich neigt,
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Vermöcht' ich der Gestirne Lauf zu lenken –
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O Lust, und wenn sie wieder ihm entsteigt,
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Dich wiedersehn am Morgen! Doch vergebens;
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Mir blieb Erinn'rung nur, der Mond des Lebens.

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Doch sterblich ist dem sterblichen Geschlechte
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Des Glücks Geschenk, des Augenblickes Lust.
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Nur in der Gegenwart sind ihre Rechte
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Der Gegenwart vergönnt, nur unbewußt;
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Du denkest, und schon nahn die strengen Mächte,
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Selbst das Gefühl bleibt nicht in deiner Brust,
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Und du gewahrst mit Freuden oder Trauer,
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Nur die Erinnerung hat ew'ge Dauer.

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So nimm mein Lebewohl, o Blumenwiege
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Der Heldenfabel, wunderreichstes Land;
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So je noch griech'sches Ufer mir erstiege,
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Begrüß' ich's als vertrauten Heimathsstrand,
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So je ich das Verhängniß noch besiege,
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Das manchen Kranz um meine Schläfe wand,
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So mag die Mutter freundlich mich empfangen;
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Denn ihre Tochter küßt' ich auf die Wangen.

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Ja, stolz und freudig darf ich's euch gestehen,
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Geweihte, die ihr fromm die Vorwelt ehrt,
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Die Göttinnen auf Ennas Felsenhöhen,
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Voll Huld sind sie zu mir zurückgekehrt.
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Proserpinen, Dianen durft' ich sehen,
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Athene hat mich weisen Rath gelehrt;
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Der Seher, der der Erde sich entwunden,
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Hat stets das Himmlische sich nah gefunden.

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Und einsam, im Gefolge nur der Musen,
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Hab' ich am Hybla Blumen mir gepflückt,
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Zum alten Nymphenquell, in Arethusen
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Mich spiegelnd, hab' ich Haupt und Mund gebückt,
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Und Aphroditen selbst an meinen Busen,
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Panormus schönstes Frauenbild gedrückt,
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Der Erdtitanen flammend Ach vernommen
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Und Galatheas blaue Fluth durchschwommen.

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Die großen Schatten hab' ich all beschworen
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Aus ihrem Grab, aus ihrer Städte Graus,
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Und festlich rief ich aus des Hades Thoren
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Den ernsten Zug zum alten Götterhaus.
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Die Männer nahten, die Segest geboren
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Und Selinunt; dem üpp'gen Hochzeitschmaus
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Sah ich die Stadt des Akragas entschwanken,
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Und Syrakus Timoleonen danken.

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Und wie Natur in solchen süßen Lüften
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Gastfreundlich ist und allem Schönen hold,
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Und bei der Vorwelt heil'gen Lorbeerdüften
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Die Palme blüht und der Orange Gold,
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Ja selbst die Eiche; sah ich aus den Grüften
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Die Söhne steigen von Mahomas Sold,
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Und Roger durft' ich, Friedrich durft' ich sehen,
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Den Großen nicht, den Größten auferstehen.

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Mein Lebewohl den felsigen Gestaden,
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Den Höhen, wo ich von Homer geträumt,
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Den Meeren, wo sich steile Berge baden,
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Den Klüften, wo der grüne Waldbach schäumt,
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Den Hügeln, von der Haine Grün beladen,
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Den Wassern, die der Rose Gluth besäumt,
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Dem Aetna, wo mein Blick von Thränen thaute,
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Weil er das Eiland nicht, die Welt beschaute.

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Schon schwimmen Aeols Inseln mir entgegen,
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Die wandernden, und Strombolis Vulkan,
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Und ferner stets auf rauschend schönen Wegen
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Geschaukelt wird das Schiff auf grüner Bahn:
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Nun könnt' ich ruhig in mein Grab mich legen,
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Da meine Augen solche Schöne sahn;
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Doch, daß ich ihrer würdig, euch zu zeigen,
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So leb' und sing' ich, Ungeweihte schweigen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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