Zehntes Lied

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Wilhelm Waiblinger: Zehntes Lied (1817)

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Endlich wundert ihr euch, ihr begreifet nicht, wie der Sänger
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So Verhaßtes, wie er euch im Gedichte bedenkt.
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Denn unwürdig, ihr fühlet es selbst, unwürdig der Muse
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Seid ihr ja ganz und verdient selber die geißelnde nicht.
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Aber weil ihr von Tugend mir prahlt, von Bibel und Sitte,
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Weil euch Lust und Genuß stets nur ein Aergerniß ist,
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Weil ihr mich täglich verdammt und dem glücklichen Spötter den Bannstrahl,
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Den zerstörenden, mir täglich nach Süden verschickt:
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So erfreut mir's das Herz, euch täglich zu ärgern und euch nur
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Will ich erzählen wie mir Freuden an Freuden erblühn.
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Bachus, ihr kennet ihn nicht, ist stets mein Gefährte geblieben,
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Aber als Gott mir gezeigt hat ihn Sicilien erst.
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Zweifel plagen auch euch, so erlaubt dem Sänger den Kampf auch,
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Welchem trinakrischen Wein werde der köstlichste Preis.
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Syrakus, es bietet mir hier auf goldener Schaale
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Schon den süßen Muskat, schon Amarina zum Trank.
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Nah an den Trümmern auch der palmenreichen Selinus
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Hat mich das purpurne Blut näher den Göttern gerückt.
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Wo ertönt nicht dein Ruhm, Marsala? Dir gäb' ich die Krone,
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Reichte mir Alcamo schon, reichte Palermo mir nicht
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Andern Nektars Entzückungen schon im uranischen Kelche,
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Nicht im Kelche, den mir Amor, der lust'ge, kredenzt.
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Aber wenn auch der Freund, der treffliche, nimmer vergessne,
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Deutschen Herzens, ja werth mehr als ein Deutscher zu sein,
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Wenn unermüdlicher Gastfreundschaft der schönen Messina
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Gellias mich an die Gluth göttlichen Nektars gewöhnt;
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Dennoch sei mir vor allen gelobt, o Traube des Aetna,
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Der, wie des donnernden Bergs Lava dem Krater entströmt,
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Goldene Ström' entquellen, begeisternde, sämmtlicher Wunder,
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Die der Aetna gebiert, größtes und seligstes du.
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Kein Element versagt dir den Kranz; dich kühlet die Meerfluth,
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Dich umlächelt des Lichts heiterste, mildeste Kraft;
33
Dich durchbrennt die Flamme des Bergs, und die Erde, die tausend
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Blüthen und Früchte bei dir Frühling und Winter vereint.
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Glänze, lieblichstes Gold; es kränzt dich die Myrthe, der Lorbeer;
36
Der ich dich schlürfe, mir ist Lorbeer und Myrthe gewiß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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