Lasset Schul' und Katheder und Beichtstuhl, Kanzel und Hörsaal

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Wilhelm Waiblinger: Lasset Schul' und Katheder und Beichtstuhl, Kanzel und Hörsaal Titel entspricht 1. Vers(1817)

1
Lasset Schul' und Katheder und Beichtstuhl, Kanzel und Hörsaal,
2
Bücher und Bibliothek, laßt sie und höret mich an.
3
Eifrer der Frömmigkeit, euch preis' ich Siciliens Frauen;
4
Denn ein herrlich Geschlecht schmücket Trinakrien noch.
5
Fremden gefällig, von lüsternem Geist, von feurigen Sinnen,
6
Wer vermöcht' euch darum, Töchter von Zankle, zu schmähn?
7
Zarte Kinder, von blondem Gelock, blauglänzenden Augen
8
Bietet Catania dir, bietet die freundliche dar.
9
Zwar kaum hatte den goldenen West, den reinen, die erste
10
Abendröthe mit Gluth über dem Hybla gefärbt:
11
Sieh, und es zeigt vom Balkon ein Liebchen mir schon Arethusa,
12
Und Ortygia dünkt längst mir die Heimath zu sein.
13
Doch nicht wüßt' ich darum Syrakusas Töchter zu preisen,
14
Denn mit der Quelle gefolgt sind sie dem niederen Dienst.
15
Frisches Blut und kräft'ge Natur und edle Gesundheit,
16
Unverdorbene Zucht, fern der Verführung der Welt
17
Findest am Aetna du, wo Indiens Feig' und die Rebe,
18
Wo Orang' und Granat glückliche Städte bedeckt.
19
Oder im fernen Buscemi, im pinienumgrünten Piazza,
20
Oder auf luftigem Fels, auf dem gigantischen dort,
21
Wo mit Dianen einst Proserpina Veilchen gepflücket
22
Und Aphrodite selbst heilige Keuschheit bewahrt;
23
Oder auf Trapanis Berg, nur daß die blühenden Reize
24
Neidisch der Schleier dem Blick hier, der arab'sche, bedeckt.
25
Dennoch aber der Preis der hohen Königin sei er,
26
Mutter der schönsten Frau'n, dir, o Palermo, geweiht.
27
Denn wie du selbst die erhabenste bist der Städte, wie üppig
28
Berg und Hügel und Thal Flora mit Blüthen bedeckt,
29
Hat die Natur, die mit Palmen dich schmückt und Aloe, der Menschheit
30
Zärteste Blumen auch euch, reizende Frauen, geliebt.
31
Hört's, o Eifrer, an Süßigkeit gleicht Palermos Orangen
32
Kein', und Palermos Geschlecht gleicht in Trinakrien keins.
33
Nun zu Schul' und Katheder, zu Beichtstuhl, Kanzel und Hörsaal,
34
Bücher und Bibliothek kehret mir wieder zurück.
35
Nennet euch tugendhaft und schmähet mich fort, doch die Strafe
36
Giebt sich selber wer nie menschliche Liebe gefühlt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.