Heut, Mißgünst'ge, vernehmt's, bestieg ich den wolkigen Eryx

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Wilhelm Waiblinger: Heut, Mißgünst'ge, vernehmt's, bestieg ich den wolkigen Eryx Titel entspricht 1. Vers(1817)

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Heut, Mißgünst'ge, vernehmt's, bestieg ich den wolkigen Eryx.
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Aber fragt ihr warum? geb' ich die Antwort euch gern.
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Schön zwar ist's vom felsigen Haupt, dem taubenbewohnten,
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Nieder zu blicken auf Thal, Ufer und Insel und Meer.
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Jene Klippen, von Wellen umschäumt, bezaubert die Sage;
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Denn der wilde Cyklop warf sie hinaus in das Meer.
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Seinem Vater feierte hier Aeneas das Kampfspiel,
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Wo der rauschenden See Trepanons Sichel entsteigt.
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Dort um die Inseln schlug der Römer blutige Seeschlacht
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Und zu Frieden und Bund bot der Karthager die Hand.
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Ueber die Ebene blick' ich hinweg, die rebenbegrünte,
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Lilybaeon erglänzt sonnig am äußersten Strand,
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Dem mit Aeolus Gunst das Schiff am Abend entwandert,
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Um mit dem Frühroth schon glücklich in Tunis zu sein.
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Schön zu schauen ist das; doch wißt, den ermüdenden Bergpfad
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Stieg der Wandrer darum nicht, der verhaßte, hinan.
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Eine Wallfahrt gebot ihm das Herz; zum Tempel der Venus
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Trieb ihn die Andacht, es trieb ernstlicher Dank ihn empor.
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Fromm ist jeder nach eigener Art, mir vergönnet die meine,
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Nur dem eigenen Drang bin ich ja immer gefolgt.
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Heuchelt, wie's euch bedünkt; ich bekenne fröhlich, der Göttin
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Hab' ich Jugend und Kraft gerne zu Dienste geweiht.
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Nicht mit Asche bestreut' ich mein Haupt, doch kränzt' ich's mit Rosen,
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Wenn ein Mädchen mich oft feurigen Armes umschlang.
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Drum erhöre mein brünstig Gebet, o Himmlische, wende
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Deine Gunst von dem Schwarm, der dich verläugnet, hinweg.
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Dir zu opfern gebietet Natur allmächtigen Dranges,
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Und zu läugnen versucht's Frömmler und Heuchler umsonst.
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Nimm mein Opfer und gieb mir ins Leben Schönheit in Fülle,
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Gieb der Grazie Huld, aber die edelste, mir!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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