So je im Tempel Ernstes und Heiliges

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Wilhelm Waiblinger: So je im Tempel Ernstes und Heiliges Titel entspricht 1. Vers(1817)

1
So je im Tempel Ernstes und Heiliges
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Das Herz mir traf in großen Entfaltungen,
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Des Gottes dunkle Offenbarung
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Schauer mir goß in des Geistes Tiefen,

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Und wär' es Blut und Leib des Erlösers selbst,
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Da ihn mein Mund berührte zum erstenmal,
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So Unaussprechliches im Herzen
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Nicht an der Treppe des Altars fühlt' ich,

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Und zürnte mir der Himmel und zürnte mir
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Die Erde, die im Staube Gebete lallt,
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Doch sei's bekannt, vor deinem Sarge
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Feiert' ich größere, kühn're Andacht.

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Du hier, o ew'ge Glorie des Vaterlands,
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Des deutschen Scepters herrlichster Fürst und Held,
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Du Schöpfer nie gewagter Thaten,
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Kämpfer des Lichts und der bessern Wahrheit,

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Der größer als der Sieger der Hydra einst,
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Der sichtbaren, mit schrecklicherm Feinde rang,
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Mit gift'germ Ungeheur, mit blut'germ;
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Ohne Gestalt und verwundbar Wesen

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Trug es so viel der Häupter, der streitenden,
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Als Herzen athmen, flammende Nahrung sog's
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Im Osten, Schweif und Drachenflügel
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Schlug den zertretnen, zermalmten Abend.

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Des Rachens unersättlicher Schlund am Strand
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Des Tibers gähnt' er, Throne zertrümmert' er,
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Ein groß Jahrtausend war sein Leben,
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Rühmt' er nicht selbst sich des Himmels Wächter,

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Dein Feind, o Friedrich? Größern bekämpfte nie
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Ein Held, sei's denn der Engel des Schwerts vielleicht,
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Der Belial schlug. O Staub des Herrschers,
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Betet' ich Irdisches an, du wärst es.

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Des Bannstrahls denk' ich, den aufs gekrönte Haupt
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Roms frechster Priester schleuderte, Volk und Land
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Mit Fluch beladend und der Menschheit
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Heiligste Fesseln, der Wüthrich, sprengend.

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Du aber, Kaiser, weintest in hohem Zorn
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Und riefst: Des Reiches Kronen o bringt mir sie!
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Und aufs geweihte Haupt sie setzend
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Sprachst du in Flammen gekränkten Herzens:

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Wer nähme mir die Krone von diesem Haupt?
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Der Worte denk' ich, und in der Seele mir
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Grollt bittrer Zorn; vom Sarge, dünkt mir,
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Stiegest empor du in deiner Hoheit,

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Des Domes Säulen stürzend und fragend: Wer,
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Wer nähme mir die Krone vom Kaiserhaupt?
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Und Hände ringend, Tod im Auge,
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Riefe der Staufe: Wo ist mein Enkel?

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Sein Blut komm' über euch und den Priesterstuhl,
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Mein letztes Blut, mein theuerstes, über euch
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Komm' es! Gerichtet hat die Stimme
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Längst schon der Menschheit, und kommen wird er,

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Der Tag, wo Jener richtet, der mich dem Staub
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Anheim gab, fordern wird er von euch die Schuld,
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Und ist auch dreifach eure Krone,
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Dreifach mit Greueln beladen ist sie!

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So dünkt mir, spricht weissagend der Geist; doch längst
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Grollt ihm der Priester, grollt ihm die Mutter selbst,
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Die allbarmherz'ge, nicht mehr; friedlich
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Ruhet im Tempel des Kaisers Asche.

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Und fern vom goldnen Altar erschallt der Chor
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Zu Friedrichs Einsamkeit und des Vaters Sarg,
63
Als wollt' er ihren Zorn, als wollt' er
64
Reuig den rächenden Gott besänft'gen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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