3.

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Wilhelm Waiblinger: 3. (1817)

1
Freunde glaubt' ich im Vaterland nur einen,
2
Dich zu haben, o großes Herz. Der Jugend
3
Irrthum deutet die Welt zu schwer, und wenig
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Wird, wer größer als sie, erkannt. O Alles,
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Alles that sie, daß ich sie haßt', und dennoch
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Mit verhülltem Gesicht und feuchten Augen
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Von mir stoßend, was sie mir gab, begann ich
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Die Verbannung; und mich nur, meiner Feinde
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Grimm und hämischen Neid, nicht dich anklagend,
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Heimath, pilgert' ich in ersehnte Lande,
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Jung wie Konradin noch, wie er der Hoffnung
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Und hochherzigen Muthes voll, im Kampfe
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Mit dem Kinde der Nacht, dem stolzen Priester.
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Mag anmaßender Geistesdruck und Blödsinn,
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Mag, o Freunde, der Ghibelline siegen,
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Laßt uns streiten! Der Lohn ist eine Krone!

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So oft denk' ich auf meerumspültem Felsen,
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So im Hause des Tasso, da dem Dichter
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Vom Balkone herab des Golfes Anmuth
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Und der Liebreiz der Berge sich entfaltet.
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Lorbeerheiliges Haus, wo oft im Dufte
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Fremder Sieg' und Triumphe sich zum eignen
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Volksbegeisternden Lied mein Herz ermuthigt.
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Freund, wohl weiß ich, den Hohenstaufen schmückte
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Schon im zwanzigsten Jahr die Königskrone;
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Fünf der Lustern durchlebt' ich bald, und ruhmlos
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Bin ich noch!

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Und in tiefster Seele fühl' ich
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Mich betrübt. O was that ich, euch zu preisen,
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Im gewalt'gen Gesang die deutsche Vorwelt
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Als ein Deutscher und Kampf und Herrschergenius,
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Wahrheit, Kraft und des Völkerlebens Größe,
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Hohe Menschen und Thaten zu verew'gen?
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Denn im Tempel der Weltgeschichte, dünkt mir,
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Ist der Dichter der Priester, und den Vorhang
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Vor dem Heiligsten wahret seine Obhut.
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Da, wenn oft mir die Scham die Stirne röthet,
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Ruf' ich flehend Torquato's Genius, ruf' ich
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Meinen Helden, und siehe, er naht mir langsam
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Aus des Lorbeers Umschattungen, der Jüngling,
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Friedrich's Sohn, der apul'sche König naht mir,
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Schön und fröhlich, wie einst, da er Epirus'
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Tochter, Helena, mit des Vaters Kraft und
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Hohenstaufischem Arm als Braut umfangen,
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Minnesänger und saracen'sche Mädchen
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Einst den Dichter, den König, einst das junge
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Liebenswürdigste Paar mit Jubel grüßten!
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Aber groß und gebietrisch, wie das Erbland
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Tausendjährigem Vorurtheil und Wahnwitz,
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Und Roms heil'gen Tyrannen er entrissen,
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Wie er einst mit dem Schwerdt der fränk'schen Räuber
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Schaar durchbrach und ein Opfer frecher Habsucht
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Ungeheuern auf Petri Stuhl und blindem
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Aberglauben sein Heldenblut vergossen!
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Da, o Freund, des Geschlechtes denk' ich nicht mehr,
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Das mich neidet und haßt im Vaterlande
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Und dreifältigen Haß und Stolz mir abdringt,
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Und im höheren Geist nenn' ich mein Schwaben
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Heimath mir, und vor Grieche nicht und Römer
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Beug' ich mich, doch bei Manfred's Grab, o Deutscher,
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Benevento's und Alba's blut'gem Schlachtfeld,
62
Wo ich stand und zum großen Werk mich weihte,
63
Sei's geschworen: Dem Kaiserhaus' mein Leben!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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