4.

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Wilhelm Waiblinger: 4. (1817)

1
Der Städte Raffael ist Neapel, Freund!
2
Das fühlten wohl Roms alte Tyrannen, das
3
Des fels'gen Capris Ungeheuer,
4
Jener bepurpurte blöde Wahnwitz,

5
Der auf vermeß'ner Brücke Puteolis
6
Meerbusen überschritt, der entmenschte Narr,
7
Der hier gesungen und gebadet,
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Wo er gemordet die eigne Mutter.

9
Doch, ob auch Ischia's feurige Traube mir
10
Nektar verheißt, ob auch um Amalfis Fels
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Gern meinem Geist in duft'ger Ferne
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Dorische Tempel dem Meer entsteigen,

13
Ob auch durchs Schattengrün von Camaldoli
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Die Vorgebirg' und blühenden Inseln all'
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Im schönen Elemente schimmern
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Und aus dem Berge Gewölk aufwirbelt,

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Doch treibt's zurück mich. Wehmuth erfüllt mich schon
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Und kind'sche Wonne, denk' ich die Säulen mir
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Der gold'nen Basilik', an alter
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Mauer, am stillen begrünten Platze,

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Wo an Ramesses thebischem Obelisk
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Der Brunnen plätschert, einsame Straßen auch,
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Hier Kuppeln in der Abendröthe,
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Dort des zertrümmerten Colosseums

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In Sonnenflammen athmende Riesenwand
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Prachtvoll mir zeigen! Trauernde Roma, hier
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Der Völker großem Gott, dem ew'gen
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Schicksal geheiligt ertönt mein Lied dir.

29
Zweimal hast du mit eiserner Hand die Welt
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Gedrückt, Herrschsüchtige, größer als du war nur
31
Das Schicksal, drum auch zweimal hat's dir
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Strafend entwunden den schweren Scepter,

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Den Kön'ge, Senatoren, Cäsare einst
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Geführt, und unerbittlicher noch zuletzt
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Dreifach gekrönte Priester, deren
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Heiliger Waffe der Hohenstaufen

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Großherz'ger Heldenstamm als ein Opfer sank
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Der Völkerblindheit, denen die Kaiserhand
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Den Bügel hielt, und deren Bannstrahl
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Könige stürzte vom Thron der Väter.

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Ach, sänft'ge nun, o Rom, dein tyrannisch Herz,
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Und beuge dich der Zeit. Der gefallene
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Herrschgier'ge Engel rang vergebens
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Einst mit dem Himmel um seine Krone.

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Im Grabe deiner großen Auguste, wo
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Britannicus ein heuchlerisch Todtenmahl
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Geehrt, vergißt in Spiel und Stierkampf
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Nun das entartete Volk die Vorwelt.

49
Des Forums Siegesbögen und Tempel, jetzt
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Durchzieht sie nur schwermüthiger Mönche Schwarm,
51
Der Wand'rer nur aus fernen Landen,
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Fremd, wie der Römer im eignen Rom ist.

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Eins bleibt dir noch, der himmlische Genius
54
Der Kunst ist's! Freund, drum laß mich, da Andres nicht
55
Vergönnt ist, einer bessern Zukunft
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Thaten und Werke der Muse weihen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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