2.

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Wilhelm Waiblinger: 2. (1817)

1
Nicht Schlachten will ich preisen, noch Könige
2
Noch forschen, wer Rom's würd'ger, ob's Cäsar ist,
3
Ob Brutus, Namen der Geschichte,
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Glänzende nicht und gerühmte Schatten.

5
Ich singe meinen Freund, und auf stolzeren,
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Auf tiefern Wogen kühnen Gesangs sei mir
7
Vergönnt, mit Stromsgewalt und Kraft ihn
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Jauchzend zu tragen zum Oceane,

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Da sich die Zukunft eint mit Vergangenheit,
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Beid' aber unvergängliche Gegenwart;
11
Ohn' Anfang beid' und ohne Ende,
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Beide die göttliche Ewigkeit sind.

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Dich kenn' ich, seit ich kenne, was schön ist, Freund,
14
Dich lieb' ich, seit ich liebe, was gut ist, Freund!
15
In meinem Herzen lebst du einzig,
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Seit es der delphische Gott bewohnet.

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Dein Lob, es dünkte schon mir Unsterblichkeit,
18
Erweckte Blüth' und Frühling, wie Sonnenschein,
19
Dein Tadel reinigte, gleich Wettern,
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Dünste der Erde, die mich umfiengen.

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Entrissen sind wir uns, und im kalten Hauch
22
Des Nordens athmest Seufzer der Sehnsucht du
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Nach meinem Süden, wo einst Menschen
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Wandelten besserer Art, dir ähnlich.

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Dir hat, uralter röm'scher Tage werth,
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Kraftvollen Geists und hohen Gemüths ein Weib
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Das Leben schön begränzt und ewig
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Hält in ermüdender Wirksamkeit es

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Lebendig dir der Grazie schönern Dienst:
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Mir nimmt aufopfernd keines des Herzens Gram
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Und Sorg' ab, kein verjüngtes Abbild
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Lächelt mir zärtlich mein Selbst entgegen.

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Die Gräber Roms sind meine Vertrauten nur;
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Oftmals jedoch am Fuße des aschigen
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Vulkans, am blauen Meer, im Glanze
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Parthenopeischer Lüfte fühl' ich

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Die Seel' aus jener Gräber Melancholei
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Erstehn, mit Psyches seliger Lust am Strand
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Des Lethe schwärmen, und in Düften
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Schwelgen der purpurnen Hesperiden.

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Wenn dann in Bajä's trümmerumgeb'nem Golf,
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Wo gern im Kahn ich über die Spiegelfluth
43
Hingankle zu Misenums Felsen,
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Oder zum Tempelgewölb' der Venus,

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Mir wohl erhab'ne Namen der Vorwelt sich
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Gebietrisch zeigen, bringst dem gepeinigten
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Orest doch du des weisern Freundes
48
Theuerstes, heiligstes Bild zurücke.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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