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Am Tage, da St. Petrus einst in Rom
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Den heil'gen Stuhl der Christenheit bestiegen,
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Sieht man das Volk in seinem Riesendom
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Vorm heil'gen Vater auf den Knieen liegen.
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Und wie sie alle gläubig oder nicht
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Von allen Enden zu dem Fest erschienen,
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Da als der Glocke mächtiges Gewicht
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Vom Schlag erklang, so kam auch ich mit ihnen –
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Und als die Feier nun vollendet war,
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Saß ich noch lange stumm an einer Säule,
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Ich dachte manches mir, und wunderbar
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Auch die Vergangenheit in stiller Weile.
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Wenn hinter deinen stolzen Pinienhain
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Die Sonne sinkt in ihren süßen Gluthen,
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Gianicolo, wie da im Abendschein
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Die Wolken trunken sind von goldnen Fluthen,
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Ja, wie das Meer, wenn's auch die Klipp' umschäumt,
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Die Fläche hin voll immer zärt'rer Töne,
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Von dieses Himmels reinem Licht besäumt,
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Doch glänzt in unaussprechlich hoher Schöne,
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So sanft im Sonnenschein des Augenblicks
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Erglühten alle Schatten meines Lebens,
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Und selbst dem dunkeln Abgrund des Geschicks
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Entdrohten alle Strömungen vergebens.
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Dem Tantalus glich einst die Herzensqual,
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Die mir die Tage nahm, die Nächte raubte,
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Dem alten Halbgott, der das Feuer stahl,
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Und das Geschlecht nur zu beglücken glaubte.
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Fern vom Lebend'gen, in der Schattenwelt
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Stand ich verwaist in grenzenloser Leere,
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Die Brust vom heißen Wissensdurst geschwellt,
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Von Sehnsucht nach Verdienst und Ruhm und Ehre.
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Es winkte mir des Lebens goldne Frucht,
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Und doch entschwang der Zweig sich meinen Lippen,
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Und mitten in der Fluth war ich verflucht,
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In Tropfen nur den kühlen Trunk zu nippen.
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Und meine Schuld? Ach daß in kühnerm Drang
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Nach höhern Dingen und nach größern Thaten
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Mein Mund oft im begeisterten Gesang
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Aus dem Olymp Geheimnisse verrathen.
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Und als in reichem Frühling mein Gemüth
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Die jungen frischen Augen aufgeschlossen,
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In ungemeßner Liebe nun erblüht,
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Den höchsten Schmerz, die höchste Lust genossen,
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Da knüpft' ich thöricht an der Blüthe Saft
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Die sel'ge Hoffnung eines ew'gen Segens,
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Bald starb die schöne Wirkung mit der Kraft,
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Die Blume mit dem Keim des frohen Regens.
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Der Schlange glich ich nun, die halb zerstückt,
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Vom blut'gen Schwerdt der Feinde schon zerspalten,
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Im letzten ungeheuern Weh umstrickt,
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Was sie für alle Ewigkeit will halten.
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Doch wie sie aus sich selbst sich auch erneut,
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So wuchs auch ich aus eignem Drange wieder,
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Nur daß von schwerer Schicksalshand geweiht,
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Des Gifts zuviel blieb in der grimmen Hyder. –
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Jetzt sah ich mich im großen Gotteshaus
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Der Christenheit allein in all' der Menge,
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Sie beteten, sie gingen ein und aus,
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Und Tausende verlor ich im Gedränge.
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Hat ja ein Volk beinahe Raum genug
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In diesem freundlich hochgewölbten Baue,
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In dessen Hallen mich die Sehnsucht trug,
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In dem ich auf, wie zu den Sternen schaue.
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Still ist's um mich: der ferne Orgellaut
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Klingt leise her zu mir aus der Kapelle,
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Jemehr der Abend durch den Tempel graut,
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Jemehr die Sonne schwindet und die Helle.
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Bald schweigt's, und lange Züge seh' ich schon
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Die weite Marmorebene durchwallen,
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Ein heilig Lied in schwermuthsvollem Ton
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Hör' ich in den Gewölben dumpf verhallen.
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Sie sind verschwunden mit dem Volksgewühl:
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Um mich und über mir ist's Todtenstille,
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Und dieser Stätte schauderndes Gefühl
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Ergreift das Herz in nie gekannter Fülle.
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Wie's dunkelt! Wie schon von den Höh'n herab
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Die Schatten wandeln in gewalt'gen Massen,
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Wie seh' ich's düstern um St. Petri Grab,
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Wie der Apostel furchtbar Bild erblassen!
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Wie lagert sich voll heil'gem Grau'n die Nacht
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Schon in der Kuppel wie in ihrem Schooße,
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Wie Buonarotti's Geist in ihr erwacht,
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Die über Berge ragt gleich einer Rose.
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Mich faßt der Schwindel! Als ob Geister mich
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Empor zur himmelweiten Rundung zögen,
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Wie für Jahrtausende, so fürchterlich
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Thürmt sich hinan die Marmorlast der Bögen.
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Welch Pünktchen in der dunkeln Fläche dort!
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Kaum sichtbar ist's – es regt sich – auf den Knieen
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Liegt noch ein Mönch – bald schwebt auch dieser fort,
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Allein bin ich mit meinen Phantasieen.
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Ich blick' empor, und bin der Mücke gleich,
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Wie klein der Lichterkreis das Grab umzittert,
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In diesem übermächt'gen Schöpfungsreich
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Fühl' ich vom Weltgeist schaudernd mich umwittert.
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Mich fesselt eine namenlose Macht,
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So daß die Sinne mir in Nebel schwinden,
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Bis sich im Schlummer kühner angefacht,
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Des Geistes Flammen, so wie nie entzünden.