An Albert von Thorwaldsen

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Wilhelm Waiblinger: An Albert von Thorwaldsen (1817)

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So sei gegrüßt zur heitern Feierstunde,
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Wir nahen dir mit dankbarem Gefühl,
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Nur Eine Liebe weht in unserm Bunde,
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Nur Ein Gedank' im festlichen Gewühl:
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Des Meisters Name tönt von unserm Munde,
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Was in den Herzen glüht, ist groß und viel,
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Den leeren Schwall der Worte laßt uns meiden,
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Der Meister ist's, so sind auch wir bescheiden.

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Ernst ist die Zeit und schwere Wolken liegen
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An jenem reinen Himmel ausgestreckt,
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Aus dem die Götter einst herniederstiegen,
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Die jeden Keim des Irdischen geweckt,
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Und ew'ge Mächte, die im Himmel siegen,
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Das Haupt mit ird'schem Lorbeer sich bedeckt,
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Da brach sich, durch den Erdendunst gezogen,
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Die Kunst ihr Bild – der Schönheit Regenbogen.

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Doch wie es kam, daß jene Götter schwanden,
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Und jene hold lebend'ge Fabelwelt,
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Aus der das himmlische Geschlecht erstanden,
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Und Kunst und Leben, innig sich gesellt,
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An Einem Urquell, ihre Kränze wanden,
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Von gleicher Sehnsucht, gleicher Lust geschwellt,
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Verschweigen wir's an diesem Freudentage,
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Denn wo Entzücken ist, verstummt die Klage.

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Bist du doch unser, der zu jenen Reichen
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Der abgeschiednen Vorwelt Wege fand,
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Alkmenes Sohn an Stärke zu vergleichen,
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Hernieder stieg, den Schattenwächter band,
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Dem Orpheus gleich, die Braut dir zu erreichen,
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Hinaus drang bis an Lethe's Geisterstrand,
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Und herrlich, als ein neues Frühroth lachte,
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Die süße Braut – die Kunst vom Grabe brachte.

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Und wenn dein Geist in seiner Schöpferfülle
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Mit ihr am liebsten ew'ge Kinder schafft,
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So stieg ihm doch aus reiner Himmelsstille
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Herab die zarte wunderbare Kraft,
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Die sich gezeigt in menschlich wahrer Hülle,
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Der ernste Heiland, und hinweggerafft
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Von seinem übermächtigen Erscheinen,
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Vermochtest du zwei Welten zu vereinen.

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Laß uns nur Einen hohen Wunsch, den heute
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Die muntre Schaar vor deinem Auge hegt,
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Nur Einen Stolz, der dir und uns bedeute,
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Was uns das Herz fürs Vaterland bewegt:
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Wir sind ein gutes Volk, in ew'gem Streite,
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Voll Ernst und Kraft, von Allem angeregt,
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Was Großes sich erzeugt in großen Seelen, –
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O laß uns dich zu unserm Volke zählen!

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Kann dieser Wunsch auch ganz uns nicht gelingen,
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So tröstet deine höh're Heimath nur,
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Denn zu Unsterblichen auf Götterschwingen
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Enttrug dich dein unsterblicher Merkur!
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So wenig wir ans ew'ge Herz ihr dringen,
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Wir fühlen, lieben, ehren die Natur,
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Wenn unser selbst die Sterne sind geworden,
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So werd' auch du uns, großer Stern vom Norden!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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