Getäuschte Erwartung

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Wilhelm Waiblinger: Getäuschte Erwartung (1817)

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Alles dacht' ich mir schöner, eh' ich's mit Augen gesehen,
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Und erstaunte, wie klein alles in Wirklichkeit ist.
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Wie hat nur mich St. Peter getäuscht, nach der Reisebeschreibung
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Sollt' er noch einmal so hoch, einmal so prächtig noch sein.
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Reden sie vom Capitol, ich erwartet' es hoch in den Lüften,
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Und noch einmal so schön dacht' ich's Museum mir selbst;
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Und der tarpejische Fels! Doch wenigstens auch wie der Montblanc
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Glaubt' ich ihn hoch, und er ist doch wie ein Hügelchen nur.
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Auch das Colosseum, ich dacht' es noch einmal so furchtbar,
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Britten kämen wohl hier nicht ohne Extrapost durch.
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Wie ist der Corso so eng! Vierhundert Kirchen und dennoch
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Fast kein Thürmchen, und welch Flüßchen der Tiber nur ist!
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Raffaels Stanzen, da hofft' ich doch auch hellschimmernde Farben,
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Aber welch häßlicher Wust, schmutziges Alter und Staub!
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Dann das jüngste Gericht ist ein Fleischmarkt, und die Sistina
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Hätt' ich mir hundertmal schöner und größer gedacht.
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Selbst die Weiber gefallen mir nicht und all' das Gerede,
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Falsch ist's, ich hab' sie mir traun hundertmal schöner gedacht.
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Auch was sie fabeln zu Hause von italiänischem Himmel,
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Nein! Ich habe davon nicht auch ein Bißchen gemerkt.
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Uebrigens kann ich zu Haus mich rühmen: ich hab' es gesehen,
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Und natürlich, dann ist's – schöner noch als ich's gedacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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