Könnt' ich mit Worten, könnt' ich mit Thaten auch

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Wilhelm Waiblinger: Könnt' ich mit Worten, könnt' ich mit Thaten auch Titel entspricht 1. Vers(1817)

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Könnt' ich mit Worten, könnt' ich mit Thaten auch,
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Die euer würdig, zeigen, wie dieses Herz
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Euch liebt, ihr ewig theuren Berge,
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Blumige Kette vom Fuß des Cavo,

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Bis wo ihr sanft liebäugelt mit finsterern
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Sabinernachbarn über die Thäler weg,
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Mit euren lind geschwungnen Hügeln,
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Heimath des Frühlings, des nie verblüh'nden!

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Wenn ich so still und doch so der Schmerzen voll
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Um Roma's Mauern wandle, wenn mich der Drang
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Ins weite warme Feld hinaustreibt,
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Wo mir der Spuren von alter Größe

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So viel begegnet; wenn ich der Appia
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Vermorschte Römergräber durchwandere,
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Wenn ich die Königin von Janus
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Seligen Hainen mit Einem Blicke

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Frei überschau', wie lächelt ihr da mir zu,
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Und lockt mich an, als wäret ihr Mutter mir,
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Als hätt' ich mich aus eurem Schooße
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Noch als ein Kind in die Welt verloren.

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Seit eure kühlungschattenden Wälder mich
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In ihre Fülle nahmen, und eure Stirn,
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Die weinbekränzte, so unendlich
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Mir das tyrrhenische Meer entfaltet,

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Seit in dreitausendjährigen Städten dort
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In wilden Massen süßer Gebüsch', im Duft
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Der Veilchen ich die schöne Last des
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Maulthiers, die reizenden Frauen, zieh'n sah,

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Seitdem verwehte jede Erinnerung
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An andre Berg', ihr seid mir so heiß geliebt,
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Daß ich mich selbst vom Capitole
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Frevelnd in euer Elysium sehne.

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Was ihr auch bergt an eurer Dianenbrust,
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Holdsel'ge Gärten schöpfrischer Fruchtbarkeit,
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Was ihr in Thälern, Höh'n und Ufern
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Himmlisches hegt, vor dem Auge steht mir's

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Endlos. Vor allem du, mein Albano, bist
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Dem sanft verjüngten Herzen die schöne Welt,
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Die es verlor, bist seine Kindheit,
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Bist dem Verlassenen die Geliebte.

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O klare Augen ihr meines Latiums,
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Du See von Nemi, du mein Albanersee,
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Wie lauter strahlet eure Seele
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Sehnsucht und Liebe zu eurem Himmel!

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Jungfräulich hat die Mutter Natur euch schon
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Bekränzt mit nie verwelkendem Blüthenreiz,
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Die Dichter der Natur, die frohen
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Vögel, sie jubeln schon euer Brautlied.

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Und du Ariccia, Tochter Siculia's,
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Die du dein wollustschmachtendes Angesicht
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Mit deiner Haine Zaubernacht der
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Glühenden Sonne verschämt bedeckest!

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Du Stadt der Cynthia, himmlisch umwaldete
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Genzano, wo dem Wand'rer zum erstenmal
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An grüner Berge Schattenwand der
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Spiegel Dianens emporgeduftet!

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Du Nemi, wo der taurischen Artemis
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In Latiums Vorzeit dunkel ein Hain geblüht,
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Du uralt heilig Kind von Troja,
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Stadt der Lavinia, wo das Auge

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Hinüberschweift zum bläulichen Vorgebirg
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Der Circe, wo in schaudernder Seele mir,
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Gleich einem Traumgesicht, des Meeres
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Abgrund homerische Welt entstiegen,

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Und du, Gandolfo, Grotta ferrata du
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Mit deines Klosters sinniger Einsamkeit,
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Du Adlernest am Felsen hängend,
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Rocca di Papa mit deinen Wundern,

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Ihr alle Frascatanische Gärten, wo
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Das Aug' aus überschwellender Ueppigkeit,
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Aus Tusculums erhab'nen Trümmern
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Trunken hinüber zum sonn'gen Rom blickt,

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Das, einer Milchstraß' ähnlich, die farbige
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Campagna hin sich lagert voll Majestät,
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So groß und ewig, wie das Meer, das
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Drüber die schattige Erd' umarmet.

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Ihr lebt in meinem Herzen, und wenn ihr mich
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Dereinst gelehrt, unsterblich zu sein, o dann
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Lebt ihr unendlich drin, dann nehm' ich
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Selbst zu den Himmlischen euch hinüber.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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