Thurm der Einsamkeit, den ich lieb', o festes

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Wilhelm Waiblinger: Thurm der Einsamkeit, den ich lieb', o festes Titel entspricht 1. Vers(1817)

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Thurm der Einsamkeit, den ich lieb', o festes
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Uralt rundes Römergebild, du Seufzer
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Byrons, der Campagna gerühmt als
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Capo di Bove!

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Dich lobpreisend singet ein Lied der Dichter,
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Gern an Gräbern weilend, weil seine Lieben
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All' im Grabe schlummern für ihn, und selbst sein
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Glaub' an die Lieben.

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Aber wie erreicht dich Gesang? Ein Wort ist
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Wenig für den Tod, und der Mensch zerstört nur,
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Aber baut die Vorwelt nicht auf. Doch ist der
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Dichter ihr Echo.

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Gleich der Windharf' ist er, die hoch in alten
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Moosbewachsnen Thürmen das Spiel der Lüfte
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Wechselnd regt, und selig verrauscht in holden
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Strömen von Wohllaut.

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So, mein ewig Trauergewölb', bewegst auch
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Du die Seele mir, wenn ich dein nur denke,
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Wie dein graues Rund so erhaben einsam
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Aus den Gebüschen.

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Weit in menschenleere Campagna hinblickt,
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Sichtbar schon aus luftiger Ferne, krönend
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Deinen Hügel, wie mit des Schattengottes
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Mächtiger Krone.

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Denn vor dir, o König der öden Wildniß,
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Neigen tief die Nachbarn sich, der Cypressen
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Melancholisch Heldengewächs, gesellt der
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Schweigenden Trauer,

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Neigt sich halb verschüttet Gemäu'r, durchbrochner
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Thürme Wand, verwitterte Reste langer
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Blut'ger Kämpfe, die der Colonna stolzes
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Haus mit dem Stuhle

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Petri einst in kräftigen Ritterzeiten
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Durchfocht. Solche Nachbarn in hoher Ruhe
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Ueberschau'st du: selbst in die tempelvollen,
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Unübersehbar'n

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Römerebnen blickst du hinaus, die Rennbahn
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Legte Caracalla zu deinen Füßen,
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Und in jenem Hügel verbirgt die schatt'ge
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Grotte des Numa

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Dir die heil'ge Quelle, bei deren Kühlung
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Er in stillem Umgang mit einer Gottheit
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Einst der siebenhüglichen Roma große
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Zukunft berathen.

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Und sie selbst, der ird'sche Olympus, lächelt
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Dir entgegen, glänzend im Lichte der Sonne,
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Dort vom paradiesischen immergrünen
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Hügel des Janus,

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Mit St. Petri Kuppel, die eines Erdballs
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Schattenbild vergleichbar, im Himmel dunkelt,
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Hingestreckt die Berge, von allem Schönen
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Wahrlich das schönste.

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Forschend sieht das Auge der Appia lange
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Gräbervolle Linie hin, bis wo dort
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Hinter sanften Hügeln und Rebengärten
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Finster der Mauer

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Riesenwerke ragen, und durch des Thores
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Düstre Majestät und durch Drusus Bogen
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Geist und Herz endlos zu der Scipionen
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Grabe hinabschweift.

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Und der Wind treibt Wolken die Stadt hinüber,
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Daß in Schatten sinken die Kirchen alle.
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O ihr Götter! sterben ist schön in Rom, doch
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Schöner zu leben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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