Gestirn der Trauer, liebliche Schutzgottheit

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Wilhelm Waiblinger: Gestirn der Trauer, liebliche Schutzgottheit Titel entspricht 1. Vers(1817)

1
Gestirn der Trauer, liebliche Schutzgottheit
2
Gestürzter Tempel, du der Ruinenwelt
3
Schwermüth'ge Freundin, wie zur Heimath
4
Hast du erkoren die stille Roma!

5
Du selbst ja gleichst ihr: wie du dein heilig Licht
6
Der Sonne dankst, der untergegangenen,
7
So dankt auch sie die ew'ge Hoheit
8
Ihrer entflohenen Herrschersonne.

9
Wo auch herab sich senke dein milder Blick,
10
Ob auf die öden Mauern, wo einsam sich
11
Die Straße windet und zuweilen
12
Epheubewachsene Gräber düstern,

13
Ob auf Kapellen, schweigende Klöster auch,
14
Die halb aus vollen Büschen und Gärten sich
15
Im Schattendach der Pinie heben,
16
Halb sich im üpp'gen Gewächs verbergen,

17
Ob in des Tibers schicksalgeweihte Fluth,
18
Wo sich des Fischers Netz in die Wasser taucht,
19
Und Brück' und Insel und der Besta
20
Trauernder Tempel der Erd' entsteigen;

21
Stets blickst mit gleicher Liebe dein Rom du an,
22
Und unaussprechlich finster erhaben ruht's,
23
Mit Trümmern und Cypressenhügeln
24
Dämmernd in Mondlicht und Todtenstille.

25
So oft in tiefen Schauern durchwandl' ich noch
26
Die hohen Stätten, und die Allee entlang
27
Lenk' ich den Tritt, wo einst der heil'ge
28
Weg an den Tempeln vorüberführte.

29
Dann harr' ich, bis die Glock' auf dem Capitol
30
Die ernste Stund' ankündigt der Mitternacht,
31
Ein dumpfer Klang und plötzlich wieder
32
Schweiget die Welt und ihr off'nes Grab hier.

33
Dir dann, du schmachtend Auge der Nacht, o Mond,
34
Dir blick' ich träumend wieder von neuem zu,
35
Die Wolken seh' ich um dich wandeln,
36
All', wie sie kommen, wie sie verschwinden.

37
Oft bist du klar, sanft lächelnde Freundin Roms!
38
Oft aber gleich den Schatten des Schicksals, gleich
39
Den Völkerstürmen und den Schrecken,
40
Die einst gewüthet an Roma's Himmel,

41
Bedeckt dein Antlitz fliegend Gewölk, und schwarz
42
Entragt der Siegesbogen des Abgrunds Grau'n,
43
Und selbst des Donn'rers Säulentempel
44
Schwindet in Dämm'rung am Capitole.

45
Und stumm seh' ich die mächtigen Treppen an,
46
Die nun urplötzlich wieder der Vollmond hellt,
47
Und starre hin, und lausch' und horche,
48
Ob wohl nicht Cäsar heruntersteige.

49
Und einsmals aus dem buschigen Palatin,
50
Dem trümmerschwarzen, klagt' eine Nachtigall
51
In all' die Nacht, in all' die Stille,
52
Klagte vielleicht von der goldnen Vorzeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.