Wär's wahr, o Nymphe? hätte den Dichter wohl

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Wilhelm Waiblinger: Wär's wahr, o Nymphe? hätte den Dichter wohl Titel entspricht 1. Vers(1817)

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Wär's wahr, o Nymphe? hätte den Dichter wohl
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Vielleicht des Felsquells Lieblichkeit nicht getäuscht,
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Du wärst es, ewig fließend Wesen,
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Das hier den Verghang hinuntermurmelt,

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Du wärst, als Numa, deinen Pompil, der Tod
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Zur Schattenwelt entführte, vor Schmerz und Weh
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An dieses Hügels Felsenwurzel
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Wärest vergangen in Thränenströmen?

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Dein hätte sich die taurische Artemis
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Erbarmt, dein jammernd Flehen geendet dir?
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O dann, du Bergstrom, küss' erfrischend,
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Küsse mir, Nymphe, die heißen Lippen.

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Aus Treue sterben! Schönster Gedanke du,
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Aus unsern Tagen lange hinweggeflohn
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Ins Reich der Dichtung, in die Zeiten,
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Da ihn die Menschen von Göttern lernten.

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Aus Treue sterben! Seliger Knabentraum,
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Du Stolz des thatenglühenden Jünglinges,
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Du überschwänglich Wort der Liebe,
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Grausamer Spott des enttäuschten Pilgers!

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Aus Treue sterben! Königsgeliebte du,
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Mit Trauer deinem ewig lebend'gen Grab
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Nah' ich, dir eine Schuld bekennend:
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Höre mich, Sterbende! Nimmer glaubt' ich

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An Menschentreue. Wie es so kam, es sei
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Vergessen – aber Nymphe, wenn wahr, daß du
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Gestorben für Pompil, so laß mich
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Artemis hier für den Frevel büßen.

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Ich will ja glauben, Göttliche, daß du treu
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Dem Freund geblieben; denn von olympischem
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Ursprung ist ja dein Herz: der Erde
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Kinder nur hab' ich nicht treu gefunden.

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An deinem Felsen, einsamer alter Hain,
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Hier, wo Orest einst mit Iphigenien
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Der taur'schen Göttin Bild geflüchtet,
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Schau' ich hinab zum Dianenspiegel,

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Und schau' und fleh' und weine, bis mich die Huld
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Der Göttin einmal plötzlich zerfließen läßt,
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Und ich für meinen Glauben sterbe: –
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Treu sind die Himmlischen, nicht die Menschen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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