Ave Maria

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Wilhelm Waiblinger: Ave Maria (1817)

1
Untersank, o Roma, die Sonne deinen
2
Siebenhügeln. Langsam erscheint die Nacht schon,
3
Und ein Tag verschwindet von deinem Leben,
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Ave Maria!

5
Deinem Leben! welch' ein Gedank', o Roma,
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Aufbewahrt im Buche der Ewigkeit ruht
7
Jeder deiner Tag', und die Weltgeschichte
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Deine nur ist sie!

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Also, Allumarmende, streckt der Vater
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Seine Arm', Okeanos um die Erde,
11
Ihnen sinkt die scheidende Sonn' entgegen,
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Ave Maria.

13
Welch ein Ernst! wie wandelt die Nacht, die alte,
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Deines Schicksals Geist zu vergleichen, aus des
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Colosseums schreckhaft geborstnem Sarge
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Dämmernd hervor schon!

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Hell entstrahlt, gebadet im frischen Nachtblau
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Jovis Stern dem Himmel, mit Wehmuth blickt er
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Seine Tempeltrümmer am Capitol an,
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Ave Maria.

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Halb im Mondschein, halb in der Dämmerung schon
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Graut der Stiere säulenbedecktes Schuttfeld,
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Und im Zwielicht wandelt noch eines Mönches
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Einsamer Schatten.

25
Und von hundert Kirchen zumal ertönet
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Fern und nahes Glockengeläut dem Tage
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Schwermuthsvoll und feierlich noch sein Grablied,
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Ave Maria.

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Dumpf antwortend folgt ein gewalt'ger Nachhall
30
In der Seel', ein betend Gefühl, als klängen
31
Eben drei Jahrtausenden dieser Roma
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Glocken zu Grabe.

33
Und man denkt der Stunde, da vors Gericht sie
34
Treten, wenn der ewigen Stadt und mit ihr
35
Auch der Welt zum letztenmal schaurig tönet:
36
Ave Maria.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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