An stillem Sommermorgen walle

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Wilhelm Waiblinger: An stillem Sommermorgen walle Titel entspricht 1. Vers(1817)

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An stillem Sommermorgen walle
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So gern ich durch die Einsamkeit,
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Wo sich des Tempels Säulenhalle,
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Dem Göttervater einst geweiht,
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Wo sich in tausendjähr'ger Trauer
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Der Eintracht nun zertrümmert Haus,
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Des Kapitoles ew'ge Dauer,
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Aus Schutt erhebt und ödem Graus.

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Gern blick' ich, wenn der Dämm'rung Schleier
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Die sieben Hügel schon umwebt,
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Dem Grabe mächtiger und freier
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Der Geist des Alterthums entschwebt,
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Hinunter in die dunkeln Tiefen,
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Wo mir, zum ernsten Freund erwählt,
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Von jenen Helden, die entschliefen,
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Der alte Tibergott erzählt.

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Gern wandl' ich auf verlassnen Wegen,
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Die kaum ein trüber Schein erhellt,
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Mit schauderndem Gefühl entgegen
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Des Colosseums Trümmerwelt;
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Wenn furchtsam von den wilden Schrecken
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Des schwarzen Ungethüms verscheucht,
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Der scheue Mond, sich zu verstecken,
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In einer Wolke Schooß entfleucht.

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Oft daß der furchtbaren Gestalten
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Ehrwürd'ger Ernst mein Herz erfüllt,
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Und mir der Gottheit strafend Walten
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Ihr hoher Sehergeist enthüllt,
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Wenn Michel Angelos Propheten
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Gleich Stürmen aus den Himmeln wehn,
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Und bei des Weltgerichts Trompeten
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Die Todten aus dem Grab erstehn.

33
Oft daß ich selig mich erhebe
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In Tabors heiligem Gesicht,
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Daß ich dem sanften Geist erbebe,
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Der überstrahlt von reinem Licht,
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Mit Gottes glanzumflossnem Sohne,
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Von seinen Jüngern treu verehrt,
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Im Angesicht vor Gottes Throne,
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Der Erd' entschwebend, sich verklärt.

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Ich sah wie vom begrünten Saume
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Der Felswand in gewalt'ger Wuth
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Dumpfdonnernd in zerstäubtem Schaume
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Hinunterbraust des Anio Fluth,
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Wie tief in uralt finstern Klüften
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Der Meergott in den Wassern rauscht,
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Und oben in den milden Lüften
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Im Tempel die Sibylle lauscht.

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Wenn endlich an Dianens Bade
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Durch Alba's duft'gen Veilchenwald,
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Fernhin das blumige Gestade,
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Das Echo Jubel wiederhallt,
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Durchs Schattenlaub, o welch Entzücken!
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Des Abends goldner Regen träuft,
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Durch blendend helle Blätterlücken
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Der Blick zum nahen Meere schweift, –

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Doch ohne Zagen, ohne Schwanken,
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Weih' ich selbst in Elysium
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Nur Einem herrlichen Gedanken
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Mein Herz zum treuen Heiligthum,
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Ob mir der Zauber aller Fernen
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Und aller Meere sich erschließt,
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Doch glaub' ich, daß ihn fliehn zu lernen
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Auf dieser Welt kein Lethe fließt.

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Du bist es, große theure Wiege,
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Ach einst mein einzig Paradies,
67
Du Heimath schwer errungner Siege,
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Die ich voll bittern Grams verließ,
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O Mutter, die vom eignen Sohne
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So schrecklich zürnend los sich wand,
71
Verschließe meinem Klagetone
72
Dein Ohr nicht, deutsches Vaterland!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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