Die Ruh' ist wohl das Beste

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Wilhelm Waiblinger: Die Ruh' ist wohl das Beste Titel entspricht 1. Vers(1817)

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Die Ruh' ist wohl das Beste,
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Von allem Glück der Welt,
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Mit jedem Wiegenfeste
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Wird neue Lust vergällt,
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Die Rose welkt in Schauern,
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Die uns der Frühling giebt;
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Wer haßt, ist zu bedauern,
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Und mehr noch fast, wer liebt.

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Es trübt den eignen Frieden
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Mit seiner Gluth das Herz,
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Das Kind ist nicht zufrieden,
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Dem Mann bleibt nur der Schmerz.
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Du hoffst umsonst vom Meere,
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Vom Weltgetümmel Ruh';
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Selbst Lorbeer, Ruhm und Ehre
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Heilt keine Wunden zu.

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Nun weiß ich auf der Erde
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Ein einzig Plätzchen nur,
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Wo jegliche Beschwerde
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Im Schooße der Natur,
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Wo jeder eitle Kummer,
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Der mir den Busen schwellt,
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In langen tiefen Schlummer
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Wie's Laub vom Baume fällt.

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Ein Plätzchen ach! so theuer,
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Wie mich noch keins entzückt,
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Wo Lieb' und liebend Feuer
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Mein Herz einst nicht mehr drückt,
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Wo's ruht in aller Stille,
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Dem Sturme nicht mehr bloß,
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Entbunden aller Hülle,
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Ja frei und schicksallos.

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So freundlich ist's und heiter,
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Wenn du es kennen lernst,
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Stets lieblicher und breiter,
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Und doch voll hohem Ernst,
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Der Vorwelt düstres Grauen
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Hat's königlich geweiht,
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Und weiße Steine schauen
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In all' die Einsamkeit.

41
Die Pyramide düstert
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Voll finstrer Pracht empor,
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Aus jungen Bäumen flüstert
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Ein Klagehauch hervor,
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Es weht auf diese Gründe
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Das grauste Alterthum,
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Wenn irgendwo, so finde
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Ich hier Elysium.

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Es glänzt im Abendlichte
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Umher die goldne Au',
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Und himmlische Gesichte
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Weckt mir das lautre Blau,
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Das mit den reinen Fluthen
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Dort auf des Berges Nacht,
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In sanften Purpurgluthen,
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Ein andrer Lethe, lacht.

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Die Brüder selbst, sie stören
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Hier meine Ruhe nicht,
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Nur selten, daß sie hören,
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Wie mir ein Ach entbricht,
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Sie schlafen hier geschieden
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Von aller Welt, allein,
63
O welch ein Glück, hienieden,
64
Kein Gläubiger zu sein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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