Leb' wohl, du unvergeßliches Felsendorf

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Wilhelm Waiblinger: Leb' wohl, du unvergeßliches Felsendorf Titel entspricht 1. Vers(1817)

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Leb' wohl, du unvergeßliches Felsendorf,
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Leb' wohl! Mit heiter scherzendem Lied nicht mehr
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Will ich dich preisen, wie's den Kindern,
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Göttern und Glücklichen ist gegeben.

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Der leichte Scherz, der flüchtig im Sommertag
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Dem Schmetterling vergleichbar die Blumen neckt,
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Ist nicht mein Erbtheil, anders lenkt' es
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Jener zerstörende Geist, den schauernd

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Im Lebenskampf mein glühendes Herz erprüft.
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Gefährlich ist's zu spielen; die Nemesis
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Ist eine ernste Macht, die Charis
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Fliehet vor ihr in das Reich der Kindheit.

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Was dein Beginnen, armes getäuschtes Herz?
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Ziemt es dem Krieger mitten im Graun der Schlacht,
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Dem Schiffer in des Meers Orkanen,
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Bilder der Heimat, der Ruh' zu nähren?

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Den aus des Paradieses verlorner Lust
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Der unversöhnte zürnende Gott gejagt,
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Ziemt's dem, die süße Frucht zu wünschen,
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Deren Genuß ihm den Tod bereitet?

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Still, Herz, dein wartet Rom! noch empfängt dich heut
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Sein uralt Thor, und größerer Herrlichkeit
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Schwermüth'ge Reste wirst du schauen,
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Schäm' dich des wen'gen, das du beweinest!

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Und dennoch einmal, einmal noch kehrt mein Blick
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Sich rückwärts, wo der wallende Nebeldunst
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Und milde Morgenwolken röthlich
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Mir mein Olevano schon umziehen.

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Ist's nicht, als wär's der dampfenden Erd' entrückt?
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Versteh' ich dich, o Geist der Natur, hinfort
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Wär's nimmer möglich, wär's vorüber,
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Wäre verschwunden für mich auf ewig?

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Und was auch hofft' ich, glücklich zu sein, und es
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Zu bleiben für und für, o verwegner Wahn!
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Mir reifen keine Früchte; Blüten,
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Aber hesperische, sind mein Alles.

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Ach freilich süß war's, menschlicher Irrthum nur,
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Was ich geträumt. Noch tief in der Schattenwelt
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Hofft ja der Todte, seine Qualen
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Mit der Erinn'rung der Freude nährend.

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Nach finstern Tagen bricht aus dem Nachtgewölk
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Oft noch ein hold wehmüthiges Abendlicht,
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Und mancher schon am Rand des Grabes
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Lächelt und spricht noch vom Glück der Jugend.

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O wer nur einmal irrte! Zu schön, zu tief,
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Zu wahr ist doch die Täuschung, zu herb und leer
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Die Wahrheit, und in Wolk' und Nebel
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Bildet den Bogen die sanfte Iris.

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Darum ist's dir nicht Schande, mein Dichterherz,
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Wenn du dem theuren Felsen, dem gastlichen,
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Und dem noch Theurern, was dir droben
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Athmet, noch einmal voll Liebe zuweinst!

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Das sei der Opfer letztes und zärtlichstes,
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Hinfort laß ab von Hoffnung, du kennst dein Loos,
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Dein Glück, dein kurzes Zauberleben
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Flieht mit dem fliehenden Bild der Berge.

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Und Wiedersehn? Sie hofft' es, versprach es ja,
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Doch ach, sie kennt den glücklichen Träumer nur,
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Kennt den Erwachten nicht, so lebe
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Wohl, o Geliebte, die Götter geben's!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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