Achtes Lied

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Wilhelm Waiblinger: Achtes Lied (1817)

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Noch umflattern mich die frohen
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Saturnalischen Gestalten,
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Noch von jenem Rosenscheine
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Fühl' ich selig mich umwittert,
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Noch von kindisch muntrer Schalkheit
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Bald geschmeichelt, bald gefährdet,
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Noch vom Lebenssturm umrauscht,
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Der zum wilden Tanz begeistert.

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Doch die Täuschung nur der Sinne,
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Die Erinn'rung des Genusses
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Ist es nur! Von keinem Fenster
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Und Balkone weht ein Teppich,
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Keine Veilchensträuße fliegen
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Mehr zu schöngeschmückten Frauen,
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Und der kurzen Zier beraubt,
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Trauert Rom in seiner Stille.

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Trübte sich das Lied des Sängers,
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Bei der eigenen Enttäuschung,
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Bei den langen Trauertagen
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Mit gerechtem Schmerz verweilend?
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Klagt' es um der Liebe Freuden,
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Um die Freunde, die Gespielen,
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Um des Ruhmes goldnen Wahn,
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Unersetzliche Verluste?

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Könnt' es aller Lust entsagen,
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Und das Haupt, für Myrtenkränze
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Bacchuslaub und sanfte Rosen,
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Und vielleicht bestimmt für Lorbeer,
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Sollte Todtenasche decken?
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Nein, auch dies ist schon vorüber,
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Und ein neues Leben scheint
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Sich dem Sänger zu entfalten.

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Denn der Frühling naht in seiner
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Lieblichkeit, in süßer Wärme
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Wacht er auf, und frohe Vögel
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Singen in des Mandels Blüte;
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Schwindet ja im holden Süden
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Nie der Lenz, der schöne Jüngling,
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Ganz hinweg – er schlummert nur
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Kurze Zeit im Lorbeerschatten.

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Und es regte nicht dem Sänger
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Frühlingslust den frischen Busen?
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Wenn die Mandelbäume blühen,
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Keimte nichts in seinem Herzen?
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Wenn die milden Lüfte jubeln
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Vom Gesang der Vögel, griffe
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Nicht zur Leier seine Hand,
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Um ein heitres Lied zu singen?

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Nein! Wer könnte solcher Allmacht,
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Solcher Lockung widerstehen!
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Neues fühlt er in sich werden,
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Manche Hoffnung sich erfüllen,
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Eine Zukunft, leicht und selig,
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Sieht er fern herüberschweben,
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Sei's auch, daß er
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Im Elysium doch erreiche!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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