Das Mädchen auf dem Eurotas

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Wilhelm Waiblinger: Das Mädchen auf dem Eurotas (1817)

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Schwankend auf der Spiegelwelle
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Tanzt der leichtbewegte Kahn:
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Wie so freundlich, klar und helle!
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Bald hinunter, bald hinan!
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Wie die alte liebe Sonne
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Nieder aus dem Aether quillt,
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Und mit junger Lebenswonne
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Den erwärmten Busen füllt!

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Und die Lämmer, wie sie klettern
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Um die vollen Hügel hin!
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Unter grünen Lorbeerblättern
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Zarte weiße Schwäne ziehn!
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Und der Berge Duftgestalten
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Wie mit weichem Liebes-Kuß
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In der Ferne sich entfalten
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Ueber'm blauen Königsfluß!

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Ach! was ist's, das aus dem Laube
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Sanft und mild herüberschwirrt,
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Zärtlich, wie die Turteltaube,
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Die aus grüner Myrrthe girrt?
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Aus der Nähe, aus der Ferne,
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Aus dem Schatten, aus dem Licht,
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Wie die Bilder blasser Sterne,
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Zum verwandten Herzen spricht?

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Ach! die Arme kann's nicht sagen,
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Wenn's auch tief im Busen wallt,
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Und mit leisen Liebesklagen
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Weinend durch die Seele hallt,
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Wie des Windes stilles Fächeln,
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Der um Zweig und Blatt sich regt,
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Blumen, die im Thale lächeln,
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Gräschen auf der Au' bewegt.

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Nenn' ich es ein heilig Glühen,
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Das an Wesen Wesen zwingt,
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Und den Keim zum heitern Blühen,
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Und das Kind zur Mutter bringt?
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Ist's der Himmelslaut der Liebe,
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Der das Innerste durchklingt,
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Und mit namenlosem Triebe
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Herz an Herz zusammenschlingt?

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Was ich ahnte, was ich fühlte,
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Noch als kaum entquoll'nes Kind,
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Was mir meine Wangen kühlte,
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Ach so oft und doch so lind!
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Was mir zart, wie Mondlicht, webend
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Oft ins nasse Auge kam,
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Und wie Lindenblüthe, bebend
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Durch den off'nen Busen schwamm,

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Naht es nun mit leisem Wogen,
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Stillt es nun mein weinend Herz?
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Ach! ich ward so oft betrogen,
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Und er ist so tief, mein Schmerz!
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Und so glühend ist mein Sehnen!
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Ahn' ich, ahn' ich deine Spur?
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Ist mein Hoffen, ist's kein Wähnen,
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Ew'ge heilige Natur?

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Diese Ruhe, diese Stille!
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Ja du bist es! Welche Lust!
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Welche zarte Liebesfülle
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An der warmen Mutterbrust!
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Wie ein ausgehaucht Verlangen,
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Liegt vor mir die volle Flur!
63
Daß ich könnte dich umfangen,
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Ew'ge, heilige Natur!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Waiblinger
(18041830)

* 21.11.1804 in Heilbronn, † 17.01.1830 in Rom

männlich, geb. Waiblinger

| Lungenentzündung

deutscher Dichter und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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