An den Fürsten von Metternich

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Friedrich Schlegel: An den Fürsten von Metternich (1800)

1
Laß ein heitres Licht den Geist umschweben,
2
Anmut schmückend Dir zur Seite gehn;
3
Zarte Sitte in dem neuen Leben
4
Frohe Stunden durch die Tage weben;
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Blühend soll Dein Glück im Glanze stehn.

6
Aus der Ruhe gehen starke Werke,
7
Aus dem Glück die volle Kraft hervor.
8
Es bedarf die Zeit der sichern Stärke,
9
Daß ergriffen es die Welt bemerke,
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Wie ein neuer Schwung sie hebt empor.

11
Wie der Sinn um jedes Neue schwirre
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In der müß'gen Rede eitlen Lust;
13
Nichtig bleibt der Geist in dem Gewirre,
14
Hundertfältig geht er in die Irre;
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Innrer Friede macht erst fest die Brust.

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Dem Insektenschwarm zum Angebinde
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Lassen wir den kleinen Geisterstreit.
18
Schlangen aber bilden ein Gewinde
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Giftig um die Welt, daß sie erblinde,
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All durchschlingend diese kranke Zeit.

21
Die Zerstörung droht aus finstern Grüften,
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Nach dem Raube blickt sie gierig aus.
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Blitze zucken flammend aus den Lüften,
24
Donnernd bebt die Erd' in Felsenklüften,
25
Und es schwankt das stille Friedenshaus.

26
Neugefügt von ewigem Gesteine
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Sei also der feste Staatengrund.
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Auf dem Gott geschlossenem Vereine
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Ruht die große Friedensburg und keine
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Höllenmacht erschüttert diesen Bund.

31
Wo nicht Gott die Mauern schirmend baute,
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Dient das Haus dem Zeitenwind als Spreu.
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Wenn die Welt dem Lügner wieder traute,
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Rückwärts nach dem alten Babel schaute;
35
Kommt Ein Hauch und wendet alles neu.

36
In dem Denken, Meinen, Wollen, Streiten
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Ist des Unheils Quelle das Zuviel.
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Dieses muß die feste Hand bestreiten,
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Daß nicht alle Kräfte überschreiten;
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Nur der große Blick trifft ganz das Ziel.

41
Meister an dem Steuer in der Wendung
42
Faßtest Du sogleich den Augenblick.
43
In dem Wechsel liegt der Kunst Vollendung,
44
Auf dem Punkt beruht das Ziel der Sendung;
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Schnell kehrt solch ein Wendepunkt zurück.

46
Also durch die labyrinth'schen Gänge
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Dienst Du sorgend dem gesalbten Haupt,
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Den als Vater ehrt die treue Menge;
49
Gott verließ ihn nie in dem Gedränge,
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Und Europa hat an ihn geglaubt.

51
Was das ew'ge Licht und Recht begründet,
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Ordnet klar entfaltend der Verstand;
53
Bleibt die Macht der Kraft dann fest verbündet,
54
Wird dem Geist auch wissend Heil verkündet,
55
Gibt den vollen Segen Gottes Hand.

56
Mög' Er ferner Dir die Palme reichen
57
Goldnen Friedens in dem Lorbeerhain;
58
Die Erwählte Dir den Kranz darreichen,
59
Heil und Segen in des Kaisers Reichen
60
Und das Glück der Welt auch Deines sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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