Der Weinberg. Lorenzo

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Friedrich Schlegel: Der Weinberg. Lorenzo (1800)

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»gutes Mädchen, gutes Mädchen,
2
Laß mich brechen von den Trauben!
3
Prangen sollte wohl der Weinberg,
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Wenn du mir ihn anvertrautest.
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Fleißig bin ich, auch erfahren,
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Viele Stäbe sollst du schauen,
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Grade Stäbe, stark und niedlich;
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So gewinnt die Rebe Raum,
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Daß sie üppig wachsend blühe,
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Stolz sich hebt von niederm Kraute,
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Bis der Früchte Last sie beuget.
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Weh mir, wenn die Fremde rauben!
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Sorgsam will ich Senker pflanzen,
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Tief den schönen Boden bauen.« –
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Gütig sprach das edle Mädchen:
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»solchen Worten muß man glauben.
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Hügel, Täler, Büsche, Wiesen
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Geb' ich gleich und sah dich kaum.
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Komm herein zur dunklen Laube
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Glänzend winkt die volle Traube.« –
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Sittsam drauf der holde Knabe:
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»ist es Wahrheit oder Traum nur?
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Kirschen, Äpfel, auch Melonen
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Find' ich hier auf grüner Auen,
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Gib mir Kirschen, rote Kirschen!
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Ach, wie durstet mir der Gaumen.«
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»stille Knabe, nimm und iß sie,
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Magst sie selber zählen traun!
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Äpfel kann ich zwei nur geben,
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Aber glatt, du magst es glauben.«
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Prüfend drauf der holde Knabe:
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»wunder, Wunder, welche Trauben!«
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Kleine Erdbeern, süß Gewürze,
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Und der Pfirsche zarten Pflaum,
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Auch die schwellende Melone,
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Alles wußf der Knab' zu brauchen,
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Bleibt mit ihr in dunkler Laube,
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Wo ihm glänzt die volle Traube.
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Prangen mußte wohl der Weinberg,
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Da sie den ihm anvertraute;
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Fleißig war er und erfahren,
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Schönen Boden treu zu bauen;
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Hügel, Täler, Büsche, Wiesen
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Blüten lachend seinem Auge;
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Fester schlangen sich die Reben,
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Stäbe hingen voll von Trauben.
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War er müde von der Arbeit,
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Labt' ihn der Melone Hauchen;
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Volle Blumen, zarte Früchte
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Gab das Mädchen ihm und Trauben.
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Kommt herein zur dunklen Laube,
52
Glänzend winkt die volle Traube.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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