11. Christus ein Hirt

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Friedrich Schlegel: 11. Christus ein Hirt (1800)

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Des Himmels Bot' von oben
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Durch Luft und Wolken drang,
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Und freudig, unverschoben,
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So zu den Hirten sang:

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Auf, auf, nun anzubeten
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Das golden schöne Kind;
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Auf, auf, zur Hirtenmetten,
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Du frommes Feldgesind.

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Auf, eilend auf zur Krippen,
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Zum kleinen Schäferlein,
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Küßt ihm die Purpurlippen,
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Das Purpurmündelein.

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Küßt ihm die Rosenwangen,
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Die Winterblümelein,
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So trotz dem Frühling prangen,
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Mag es gleich Winter sein.

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Das Kindlein halb erfroren,
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Doch auch nicht minder brinnt,
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Im herben Frost geboren
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Es Feu'r im Busen find't.
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Lind hebet's nur in Armen,
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Und preist es mit Verstand:
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Bald wird es euch erwarmen
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Mit süßem Herzensbrand.

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Es liebet Schaf' und Hirten
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Das Hirtenkindelein,
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Es leitet her von Hirten
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Den Stand und Stammen sein.

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Ein Lämmlein auch ohn' Flecken
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Es führt in seinem Schild,
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Samt einem Hirtenstecken,
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Gar zierlich abgebild't.

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O wohl dem schönen Hirten,
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Dem künft'gen Hirten gut,
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Ach, ach, mich in Begierden
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Der Zeit verlangen tut.

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Alsdann er wird erwecken
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Und treiben auf zu Feld,
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Mit sanftem Hirtenstecken
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Die Völker aller Welt.

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Ja er wird seinen Stecken
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Den Sonnenstrahlen gleich,
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All überall erstrecken
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In alle Land' und Reich.

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Alsdann mit schönem Frieden
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Die schöne Welt gekrönt,
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Wird sehn ununterschieden
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Die Tiere all' versöhnt.

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Mit wilden Löw' und Bären
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Gleich werden in gemein,
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Aus einer Krippe zehren
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Die zarten Lämmerlein.

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Auf einem Grund und Wasen,
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Zur schönen Sommerblüh,
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Mit Wölfen werden grasen
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Die Kinder, Schaf' und Küh'.

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Es wird an Tann' und Linden,
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An Buch'- und Eschenlaub,
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Sich häufig lassen finden
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Wohl manche süße Traub'.

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Es wird von Eichenbäumen
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Gepreßt der Honig lind,
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Und wie sich's kaum läßt träumen,
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Das Öl vom Felsen rinnt.

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Erd', Himmel wird sich wenden,
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In Wesen aller neu,
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All' ihre Schätz' verschwenden
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Gar häufig ohne Scheu.

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Ohn' Untergang wird schweben
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Die Sonn' im klaren Brand,
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Der Winter sich begeben
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Zur Wüsten unbekannt.

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Der Frühling wird sich schmucken
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Und werden mit Gewalt,
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Zur Erden außen gucken
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Die Blümlein tausendfalt.

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Es werden gehn herunter
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Lustwandeln immerdar,
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Im ew'gen Sommer munter
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Die Wasserbächlein klar.

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Auf, auf dann, anzubeten
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Das golden schöne Kind,
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Auf, auf, zur Hirtenmetten,
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Du frommes Feldgesind.

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Ihr frommen Schäferscharen,
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Zusamt der weißen Zucht,
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Euch nun soll widerfahren
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Das Heil, so lang gesucht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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