9. Weihnachtslied

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Friedrich Schlegel: 9. Weihnachtslied (1800)

1
Am Weihnachtsabend in der Still'
2
Ein tiefer Schlaf mich überfiel
3
Mit Freuden ganz umflossen;
4
Mein' Seel' empfing viel Süßigkeit,
5
Vor Trost ich schier zerflossen.

6
Ich träumte wie ein Engel käm'
7
Und führte mich gen Bethlehem,
8
Ins jüd'sche Land gar ferne:
9
Ein Wunderding sich hier begab,
10
Hör' zu, dies von mir lerne.

11
In einen Stall ging ich hinein,
12
Darin ein Ochs und Eselein
13
Ihr Heu beim Kripplein aßen:
14
Ein frommer Mann, ein' Jungfrau zart
15
Bei ihnen kläglich saßen.

16
Die Jungfrau hat auf ihrem Schoß
17
Ein Kindelein ganz nackt und bloß,
18
Doch schien es als die Sonne:
19
Sein' Äuglein strömten Glanz umher
20
Gleichwie ein lichter Bronne.

21
Dies Kindlein ward der große Gott,
22
Der uns Bedrängten hilft aus Not,
23
Der alle Dinge machte;
24
Die Welt erkennt den Schöpfer nicht,
25
So gar sie ihn verachte.

26
In arme schlechte Windelein
27
Ihr Kind die Jungfrau wickelt ein,
28
Legt's in die Kripp' mit Neigen;
29
Dies ist der Thron, wo Gottes Sohn
30
Sein' Liebe wollt' bezeigen.

31
Hört weiter an, was ich euch sag':
32
Die Nacht ward licht, als wär' es Tag,
33
Viel Engel hört man singen;
34
Mit Harfen und mit Lautenklang
35
In hoher Luft erklingen.

36
Ein Engel sprach zur Hirtenschar:
37
Entsetzt euch nicht, nur Freud' fürwahr
38
Hört ihr aus meinem Munde;
39
Eu'r Heiland jetzt geboren ist,
40
Frisch auf zu dieser Stunde!

41
Alsbald die Hirten dies gehört,
42
Beschlossen sie auch ungestört
43
Gen Bethlehem zu reisen;
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Das Kindlein dorten anzuschaun,
45
Ihm Liebe zu beweisen.

46
Sie zogen hin mit schneller Eil',
47
Der Weg war eine halbe Meil',
48
Bis sie zum Kripplein kamen;
49
Sieh da Maria fanden sie,
50
Joseph, das Kind zusammen.

51
Als sie daselbst gegangen ein,
52
Joseph hieß sie willkommen sein,
53
Dem sie erzeigten Ehre;
54
Da zeigten sie die Wunder an,
55
Dies freut die Mutter sehre.

56
Sie fielen nieder hin zur Erd',
57
Anbeteten den Heiland wert,
58
Für Freud' sie mußten weinen;
59
Dann opfern sie ihm Gaben auf,
60
Ein Lämmlein von den Kleinen.

61
Alsbald kehrten sie wieder um,
62
Es ward das Evangelium
63
Durch sie bekannt im Lande;
64
Es ihnen niemand glauben wollt',
65
Weß' Orts er war und Stande.

66
Dies ist's, was ich im Traum gesehn,
67
Doch ist's kein Traum, es ist geschehn,
68
Was ich als Traum erzählet;
69
Wahr und wahrhaftig dieses ist,
70
Nichts ist daran gefehlet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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