Das Meisterstück mit Sorgen

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Friedrich Schlegel: Das Meisterstück mit Sorgen Titel entspricht 1. Vers(1800)

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Das Meisterstück mit Sorgen
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Wer nur will schauen an,
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Ihm nimmermehr verborgen
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Der Meister bleiben kann.

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Von oben muß uns geben
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Das Licht und golden Schein,
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In stetem Lauf und Leben
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Sonn', Mond und Sterne sein.

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Des Tags bis auf den Abend
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Die Sonn' gar freundlich lacht,
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Zu Nacht der Mond erlabend
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Führt auf die Sternenwacht.

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Wer deutet ihn' die Straßen,
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Wer zeiget ihn' den Weg?
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Daß nie sie unterlassen
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Zu finden ihren Steg?

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In lauter grüner Seiden
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Gar zierlich ausgebreit,
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Das Erdreich sich tut kleiden
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Zur werten Sommerzeit.

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Die Pflänzlein in den Felden
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Sich lieblich schmücken auf,
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Die grüne Zweig in Wälden
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Auch schlagen aus mit Hauf.

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In Gärten merk ich eben
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Die schönen Blümelein,
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Wie freudig sie da schweben,
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Wann Wind nur spielt hinein.

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O fröhlich' Gartenjugend.
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O frisch und zartes Blut!
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An Farben reich und Tugend
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Zu geben Freudenmut.

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Und wie gemalt dann blühet
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Ihr Blümlein tausendfalt,
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Da alles ihr doch ziehet
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Aus schwarzer Erden kalt?

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All' Saft und Kraft und Wesen
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Nehmt ihr von schlechter Erd',
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Und doch wer euch geht lesen
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Nichts Zierlichers begehrt.

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Die Brünnlein sich ergießen
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Und ihre Wasser klar
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Wie Silberstrahlen schießen
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Vom Felsen offenbar.

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Die Sonn' es bald erblicket,
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Drin kühlet ihren Schein,
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Die Tier' es auch erquicket,
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So heiß und durstig sein.

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Frisch hin und her gehn wanken
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Die klaren Bächlein krumm;
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Und mit den Steinlein zanken,
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Wenn sie sich biegen um.

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Allweg sie süßlich sausen
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Zum Sang und Gang gewohnt,
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Das ganze Jahr ohn' Pausen
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Man höret ihren Ton.

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Das wilde Meer nun brauset
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Und wütet ungestüm;
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Nun still es wieder sauset,
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Liegt fest in runder Krümm.

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Gar lieblich tut's bestrahlen
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Die Sonn' mit sanfter Glut,
63
Wann sie zu oftermalen
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Sich drein erspiegeln tut.

65
Wer will die Bäum' nun zehlen
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In jed' und jedem Wald,
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Sein da doch ohne Fehlen
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So tausend tausendfalt.

69
Gar hoch die Gipfel klimmen
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In klare Luft hinauf,
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Und gleich wie Wolken schwimmen,
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Wann stoßt ein Windlein drauf.

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Viel tausend sein der Zweige,
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Der zarten Ästlein viel,
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Und viel an manchem Zweige
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Der Blättlein und der Stiel'.

77
Der Äderlein bei neben
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Noch mehr man zählen tut,
79
Da nähret sich das Leben
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Und Seel' in grünem Blut.

81
Wann dann schallt auf den Zweigen
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Gesang der Vögelein,
83
Noch Laut', noch Harf', noch Geigen
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Klingt also süß und rein.

85
Ihr lieblich's Musizieren
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Dünkt mich so süß und gut;
87
Ihr künstlich's Colorieren
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Bringt lauter Freudenmut.

89
Die Nachtigall ob allen
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Steigt immer auf und auf,
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Gar freudig tut's erschallen,
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Wann's geht in vollem Lauf.

93
Man sagt, daß etlich' starben,
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Die zu hoch wollten gahn,
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Und mit zu starken Farben
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Ihr Stimmlein streichen an.

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Wer wollt' nun überdenken
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Der vielen Vögel Zahl?
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Die Sonne sich wird senken
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Eh' man sie nennet all'.

101
Von Tieren muß ich schweigen,
102
Sie lassen ungezählt;
103
Will nicht zum Meere steigen,
104
Der Fischlein tiefes Feld.

105
Elfanten samt Kamelen,
106
Roß', Löwen, Hirsch und Bär,
107
All' Würm' und alle Seelen
108
So sein im wilden Meer.

109
Kein Ende da möcht' finden,
110
Wer auch die Müh' nicht spart,
111
Von Mensch und Menschenkinden
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Die Wunder aller Art.

113
O Schönheit der Naturen,
114
O Wunder-Lieblichkeit,
115
O Zahl der Kreaturen,
116
Wie streckest dich so weit.

117
Wer wollt' dann je nicht merken
118
Des Schöpfers Heiligkeit
119
In allen seinen Werken
120
Ganz voller Zierlichkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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