7. Liebe

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Friedrich Schlegel: 7. Liebe (1800)

1
Ganz früh, wann sich entzündet
2
Der silberweiße Tag,
3
Und uns die Sonn' verkündet,
4
Was nachts verborgen lag,
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Die Lieb' in meinem Herzen
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Ein Flämmlein zündet an,
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Das brennt gleich einer Kerzen,
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So niemand löschen kann.

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Wann schon ich's trag im Winde
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Nach Ost und Norden draus,
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Noch Ruh noch Rast ich finde,
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Es löschet nimmer aus.
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O weh der Qual und Peinen,
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Wo soll mich wenden hin?
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Ich immerdar muß weinen,
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Stets ich in Schmerzen bin.

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Wann wieder dann entflogen
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Der Tag zur Nacht hinein,
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Und unter sich gebogen
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Die Sonn' und Sonnenschein;
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Das Flämmlein so mich quälet
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Noch bleibt in voller Glut,
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All' Stund', so viel man zählet,
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Es mich noch brennen tut.

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Das Flämmlein, so ich meine,
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Ist Jesus süßer Nam';
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Es zehret Mark und Beine,
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Frißt ein gar wundersam.
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O Süßigkeit in Schmerzen,
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O Schmerz in Süßigkeit;
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Ach! bleibe noch im Herzen,
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Bleib noch in Einigkeit.

33
O Flämmlein süß ohn' Maßen,
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Auch bitter ohne Ziel;
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Um dich muß ich verlassen
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All' andre Freud' und Spiel.
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Du zündest mein Gemüte,
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Bringst mir groß Herzenleid,
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Du kühlest dann mit Güte,
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Bringst mir des Herzens Freud'.

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Ade zu tausend Jahren,
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Ade zu guter Nacht,
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O Welt laß mich nun fahren,
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Weil ich dich nur veracht.
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In Jesu Lieb' ich lebe
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Bin sein von Herzens Grund,
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In lauter Lust ich schwebe
48
Bin ich gleich sehr verwund't.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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