5. Jubel der Seele

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Friedrich Schlegel: 5. Jubel der Seele (1800)

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Wie so glanzvoll Trost von oben
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Endlich durch die Wolken bricht!
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Keine Strahlen je erhoben,
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Kein Krystall gab solches Licht.
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O wie wohl wird meinem Herzen,
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Wie so klar mein Angesicht,
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Weichet, weichet, Angst und Schmerzen,
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Euer nun bedarf es nicht.

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Fliehet fort, hinab in Wogen,
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Senket euch zur finstern Nacht;
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Freuden kommen hergezogen,
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Luft und Himmel wieder lacht.
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Kalt' und Winter ist zerbrochen,
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Trübsal ist nun ferne hin;
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Nicht von Trauer sei gesprochen,
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Fröhlichkeit ist mein Gewinn.

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Eia lasse uns spazieren
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Jesu du Geliebter mein!
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Weil die Gärten nun sich zieren,
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Weil die Blümlein offen sein;
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Weil die grünen Wiesen lachen,
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Weil die Pflanzen voller Zweig',
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Weil die Vöglein Nester machen,
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Kinderbettlein zart und weich.

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Schau die reinen Brünnlein springen
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Hoch in leere Luft hinein,
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Horch die zarten Vöglein singen
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Wunder, Wunder, süß und rein.
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Horch die Bächlein lieblich brausen,
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Klar wie lauter Silberschein;
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Und die Bienlein emsig sausen,
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Rauben, klauben Honig ein.

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Kleine Bienlein, ach ihr fehlet,
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Ledig flieget ihr nach Haus;
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Nur von Jesu Lippen stehlet,
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Dannen saugt den Honig aus.
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Jesu Lippen, Mund und Augen,
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Süßen Saftes sind sie voll,
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Ja von diesen müßt ihr saugen,
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Wenn Gewinn es bringen soll.

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Neulich ich in Trauren stunde,
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War voll herber Bitterkeit,
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Jesum da gekreuzigt funde,
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Klagend ihm mein Herzenleid.
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Liebend tät ich ihn umhälsen,
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Küßte seine Wangen beid',
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Mir da sprang von diesen Felsen
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Bronn und Bach der Süßigkeit.

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Meine Kraft war gar zerschlagen,
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War von tiefen Trauren matt,
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Bin nunmehr in Freudentagen,
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Bin von lauter Lüsten satt.
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Trübnis hatte mich umzogen,
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Schon gegeben hin dem Tod;
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Hab' nun Lebens Geist gesogen
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Mir aus Jesu Lippen rot.

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Bienlein weidet seine Wangen,
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Euch da hänget freundlich an;
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Sauget, hauchet, bleibet hangen,
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Flieget ihn in Haufen an.
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Von den Augen Jesu fallen
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Helle Tränen silberweiß,
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Von der Stirne rot Korallen
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Sind euch beid' gegeben Preis.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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