Der trübe Winter ist vorbei

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Friedrich Schlegel: Der trübe Winter ist vorbei Titel entspricht 1. Vers(1800)

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Der trübe Winter ist vorbei,
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Die Kranich' wieder kehren.
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Nun reget sich der Vögel Schrei,
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Die Neste sich vermehren.
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Laub allgemach
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Nun schleicht an Tag,
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Die Blümlein hold sich melden,
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Wie Schlänglein krumm
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Gehn spielend um
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Die Bächlein kühl in Wälden.

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Der Brünnlein klar und Quellen rein
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Viel hie, viel dort erscheinen,
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All' silberweiße Töchterlein
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Der hohen Berg' und Steinen.
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In großer Meng'
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Sie mit Gedräng,
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Wie Pfeil' von Felsen zielen.
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Sie fließen her,
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Und rauschen sehr
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Und mit den Steinlein spielen.

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Die Jägerin Diana stolz,
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Die Wald- und Wassernymphen
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Gehn wieder froh im grünen Holz,
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Mit Spielen, Scherz und Schimpfen.
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Die goldne Sonn'
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Schmückt ihre Kron,
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Den Köcher füllt mit Pfeilen;
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Die muntern Ross'
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Läßt laufen los
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An himmelblauen Meilen.

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Mit ihr die kühlen Abendwind',
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Wie Knaben sanft von Sitten,
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Zum Spielen in der Luft gesinnt
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Auf kleinen Wolken ritten.
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Die Bäum' und Äst'
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Auch tun ihr Best',
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Bereichern sich mit Schatten,
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Da sich das Wild
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Verbirgt und hüllt,
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Wann's muß vor Hitz' ermatten.

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Die Meng' der Vöglein hören läßt
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Ihr Lied von Tirelieren,
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Da klinget aus so manchem Nest
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Vereintes Musizieren.
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Die Zweiglein schwank
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Zum Vogelsang
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Sich auf, sich nieder neigen;
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Im Grünen gehn
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Hört man ein Wehn,
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Wie Lautenspiel und Geigen.

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Wo man nur schaut, die ganze Welt
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Zu Freuden sich tut rüsten;
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Zum Scherzen alles ist gestellt.
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Schwebt alles froh in Lüsten.
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Ich nur allein,
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Ich leide Pein,
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Ohn' End' ich werd' gequälet,
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Seit ich mit dir,
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Und du mit mir,
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O Jesu dich vermählet.

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Nur ich, o Jesu bin allein
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Mit stetem Leid umgeben,
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Nur ich muß tief in Schmerzen sein,
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Weil nicht bei dir darf leben.
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Ewige Klag',
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Dauernde Plag',
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So lang von dir zu scheiden;
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Die bittern Wehn,
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Dich nicht zu sehn,
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Sie schaffen mir dies Leiden.

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Was frommt mir dann die schöne Zeit?
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Was Glanz, was Schein der Sonnen?
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Die Bäume lieblich ausgebreit',
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Was Klang der klaren Bronnen?
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Was Atem lind
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Der kühlen Wind',
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Was Bächlein sanft geleitet?
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Was edler Mai,
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Der Vögel Schrei,
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Was Felder grün gespreitet?

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Ade, du schöne Frühlingszeit,
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Ihr Felder reich beladet,
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Laub, Gras und Blümlein neu gekleid't
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Im süßen Tau gebadet.
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Ihr Wasser klar,
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Du Sternenschar,
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Ihr Pfeil' der güldnen Sonnen,
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Nur Schmerz und Pein,
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Bei mir allein,
90
Hat Oberhand gewonnen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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