[schweigt, ihr Lüfte! in den Blumengängen]

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Friedrich Schlegel: [schweigt, ihr Lüfte! in den Blumengängen] (1800)

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Schweigt, ihr Lüfte! in den Blumengängen,
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Denn entflohen ist des Frühlings Traum;
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Süß dem Jugendspiele nachzuhängen,
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Gibt der ernste Tag uns keinen Raum.

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Ihr Gesänge in der Väter Hallen,
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Von der Ahnen hohem Heldenruhm,
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Müßt den Strom der Zeit hinunterwallen,
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Wo des Todes graue Scharen ruhn.

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Andre Zeiten heischen andre Lieder,
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Neue Dinge spricht der Welten-Greis;
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Zum verborgnen Ursprung wendet wieder
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Sich zurück der große Schöpfungskreis.

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Mag noch trübe Finsternis uns decken,
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In den Wogen dieser öden Welt;
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Laß den Geist die Seelenflügel strecken,
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Rauschend zu der Morgenröte Zelt!

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Einsam auf der stillen Felsenwarte
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Blickt der Seher in den Sturm hinaus;
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Spähend an der lichten Sternencharte,
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Bis die Sonne teilt der Wolken Haus.

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Wie der greise Ahnherr einst in Fluten
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Sich das heil'ge Schiff der Rettung baut;
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Wo verschlossen die Geschöpfe ruhten,
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Die dem starken Fährmann Gott vertraut.

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Wohlgeordnet in den sichern Kammern
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Stehn die Kreaturen Paar und Paar;
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Fern zu halten der Vertilgung Jammern
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Von der Arche auserwählter Schar.

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Nieder stürzen all die Riesengeister
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Nach Jahrhunderten voll Übermut;
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Aufwärts forschend blickt des Schiffes Meister
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Zu dem Morgenstern in dunkler Flut.

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In den Wogen stirbt die letzte Klage,
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Stumm zum Grabe der Vergangenheit;
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Festgesetzt, gezählt sind schon die Tage,
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Jede Stunde der Zerstörungszeit.

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In der Öde, ob den wüsten Wellen
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Bringt die Taube den Olivenzweig;
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Mutig steigt der Ahnherr nun im Hellen
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Auf das neue, grüne Erdenreich.

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Dankend nach dem großen Trauerjahre
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Tritt der Arche Priester dort hervor;
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Hundertfältig lodern vom Altare
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Opferflammen dann zu Gott empor.

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Als vom ersten Morgenstrahl die Kunde
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Glänzend wieder durch die Wolken bricht,
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Spannt den Bogen farbig Gott zum Bunde
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Friedeleuchtend um sein Angesicht.

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Wie ein Kreis im siebenfachen Glanze,
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Durch die Himmel strömt das Schöpfungsspiel;
51
Dieses Purpurbild im Wolkenkranze
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Ist der ird'schen Hoffnung lichtes Ziel.

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Fortgerissen war des Frühlings Wonne,
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Alle Blüten mit hinweggerafft;
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Bis die Erd' im Strahl der neuen Sonne
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Wieder grünt aus milder Himmelskraft.

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Herrlich glänzt auf Gottes Sonnenthrone
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Dort die hohe Gnadenkönigin;
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Himmlisch strahlend in der Sternenkrone,
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Wandelt sie die lichte Bahn dahin.

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Linde fließt der Strom und ganz krystallen
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Von dem Thron, wie einst im Paradies;
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Unter Palmen sieht man Pilger wallen,
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Zu den Früchten, die uns Gott verhieß.

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Wütend windet sich der alte Drache,
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Flammen schnaubend aus dem grausen Schlund;
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Ihn ergreift des starken Engels Rache,
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Wirft ihn nieder in den ew'gen Grund.

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Und da öffnen sich die lichten Mauern,
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Heil'ge Tore zu der ew'gen Stadt;
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Alle Felsen soll die überdauern,
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Gleich dem Weltenaug' im Flammenrad.

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Brausend auf des Cherubs Donnerschwingen,
74
Tun die Himmel Gottes Allmacht kund;
75
Sieg und Heil! hört man die Geister singen,
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Dankend tönt's zurück vom Erdenrund.

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Freudig steht auf hohem Fels geborgen,
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Der als Seher auch zu uns noch spricht:
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Wie am zweiten großen Schöpfungsmorgen
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Von der ird'schen Flut sich schied das Licht.

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Oben steht der reine Himmelsbogen,
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Den die trübe Mischung sonst verletzt;
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Unten dann die ird'schen Meereswogen,
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Auch der Feste wird ihr Ziel gesetzt.

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Weil die Flut gereinigt hat die Erde,
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Wächst empor mit Lust das neue Grün;
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Wie ein Knabe, fröhlich von Gebärde,
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Wird im Sonnenschein das Leben blühn.

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Mit dem Tiger wird das Lamm da weiden,
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Und ein Kind auf Basilisken gehn;
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Nichts soll dann die eine Herde scheiden,
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Eine Flamme nur der Liebe wehn.

93
Möchte frisch ein Lebenswind berühren
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Erst von Gott der Auferstehung Feld,
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Aus der Mischung uns zur Klarheit führen,
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Daß im Licht gereinigt sei die Welt.

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Rauschend auf der Liebe Seraphsschwingen
98
Macht der Himmel die Vollendung kund;
99
Heil und Dank! hört man die Geister singen,
100
Jubelnd tönt's zurück vom Erdenrund.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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