Gesang der Ehre

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Friedrich Schlegel: Gesang der Ehre (1800)

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Wenn auch alle Völker wanken,
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Ruh' die Erde ganz verläßt,
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Alle Rechte brechend schwanken,
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Steht die Ehre dennoch fest;
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Ewig, wie der Nordstern milde
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Strahlet durch der Nacht Gefilde.

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Heil dem Mann, der darnach handelt,
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Diesen Stern im Auge hält,
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Stern der Ehre, der nie wandelt,
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Fiel' in Trümmern auch die Welt!
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Aus dem Tode noch wird grünen
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Hohe Siegeslust dem Kühnen.

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Denn es siegt ja doch die Ehre
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Bei dem edleren Geschlecht,
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Wie das blinde Glück auch mehre
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Siege sonder Ehr' und Recht.
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Ewig glänzt der Tugend Adel,
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Falscher Ruhm ist mehr nur Tadel.

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Drum sei jener hochgepriesen,
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Kaiser Er mit Recht genannt,
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Der des Glückes mächt'gem Riesen
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Mutig leistet Widerstand,
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An der Ehre Kraft noch glaubend,
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Und die Zeit der Schmach entraubend.

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Wohl vertraut den mächt'gen Ahnen
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Er auf seinem Völkerthron,
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An den Ruhm der Zukunft mahnen
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Ihn, des Nordens hohen Sohn,
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Zeichen, strahlend durch die Zeiten,
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Neu die Welt uns zu bereiten.

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Leuchtend ob dem Eisgefilde
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Wogen Feuer durch die Nacht,
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Sühnend wird im Flammenbilde
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Hier das Opfer dargebracht;
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Völker fluten im Gewimmel,
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Kämpfend jauchzen sie zum Himmel.

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Möchte neu ein Reich zu gründen
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Auf der Ehre festem Grund,
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Heldenherzen zu entzünden,
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Wieder Eins im alten Bund,
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Hoch als Sieger Ihm gelingen,
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Alle bald den Retter singen.

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Sind der Streiche, die uns trafen,
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Ist der Schmach noch nicht genug,
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Soll durch Gott uns härter strafen
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Noch die Geißel, die uns schlug;
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Dennoch zu den fernsten Zeiten
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Wirst du schönen Glanz verbreiten;

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Lichter Stern, der uns erschienen,
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Stern der Ehr' in trüber Nacht,
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Der den Treuen, die ihr dienen,
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Hoffnung wieder angefacht;
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Stern der Ehr' aus jenem Norden,
54
Durch den frei die Erd' einst worden!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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