Rückkehr des Gefangenen

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Friedrich Schlegel: Rückkehr des Gefangenen (1800)

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Väter, Söhne, Brüder, strömt herbei!
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Den die Ketten nicht bezwungen,
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Ist errettet, ist nun wieder frei.
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Dem Gefangnen ist's gelungen,
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Zu den Brüdern ist er heimgekehrt;
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Sehnsucht hätt' ihm fast das Herz verzehrt,
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Freude löst jetzt alle Zungen.

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Weil die Freude nun die Rettung preist,
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Die dem Krieg sein Schwert zerbrochen,
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Sinkt erinnernd in sich selbst sein Geist.
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Was gelitten, was verbrochen
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Seine Brüder, fühlt sein deutsches Herz;
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Mut im Auge, doch noch bleich von Schmerz
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Hat die Wort' er ausgesprochen:

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O seid nur jetzo treuer,
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So zeigt sich bald ein neuer
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Morgen nach dunkler Nacht!
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Wir haben viel erduldet,
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Ja Schlimmres wohl verschuldet,
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Und sind noch kaum erwacht.
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Ein neuer Lenz soll grünen
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Aus der Zerstörung Sieg,
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Neu sich der Geist erkühnen
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Und jeder Zwist versühnen
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Nach langem Bürgerkrieg.

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Sind unsrer Zwietracht Strafen
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Die Wunden, die uns trafen,
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Nicht und das bittre Joch?
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O wollt nicht länger säumen,
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Mit wachen Augen träumen
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In der Verwirrung noch.
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Wie soll sich frei entfalten
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Der edle deutsche Geist,
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Und wieder groß gestalten,
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Wenn ihr nicht erst die alten
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Laster vom Herzen reißt!

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Wo warst du, deutscher Adel?
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Man sah nur Schand' und Tadel
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In deinem üpp'gen Tun.
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Nach schnödem Golde trachtend,
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Kein Recht noch Sitte achtend;
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Was helfen sie dir nun,
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Der eitlen Schwäche Krücken,
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Und was des Bürgers Raub?
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Du magst den stolzen Rücken
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So knechtischer denn bücken
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Bis nieder in den Staub.

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Es zürne dem Gesange
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Ob solchem herben Klange,
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Kein wahrhaft Edler nicht!
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Wohl blieben treu der Ehre,
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Wie auch der Sieg sich kehre,
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Und viele treu der Pflicht.
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Als Kämpfer im Verhängnis
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Vergossen sie ihr Blut;
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Es beugt ja kein Bedrängnis
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Und hält auch kein Gefängnis
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Den freien Mannesmut.

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Ihr, die Gott ausersehen,
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Die Wahrheit zu erspähen,
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Begeistert hohen Muts;
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Ihr Denker, Lehrer, Dichter,
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Wie wart ihr selbst Vernichter
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Des anvertrauten Guts!
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Nicht ward zum Spiel gegeben,
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Und nicht zu eitlem Ruhm,
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Zum Himmel soll anstreben
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Dies innre Geistesleben,
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Und ist ein Heiligtum.

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Ihr wolltet alles richten,
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Des eignen Volks Geschichten
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Nur blieben unerkannt.
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Wie habt ihr noch gestritten,
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In der Zerstörung Mitten,
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Um jeden nicht'gen Tand!
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Was auch der Sturm zerschlagen,
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Der Ichheit kalte Lust
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Berauscht' euch, Neides Nagen,
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Als ob kein Herz geschlagen
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Euch in der hohlen Brust.

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Ihr Fürsten auch des Landes
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Vergaßt des alten Bandes,
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Getäuscht durch fremden Trug.
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Gewiegt in falschen Sitten,
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Wart selbst ihr fremd inmitten
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Des Landes, das euch trug.
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Durch Reden und Ermahnen
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Ward noch kein Sturm gedämpft!
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O hättet ihr die Ahnen
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Des Ruhms euch lassen mahnen,
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Die ritterlich gekämpft.

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Die ihr das Deutsche hemmtet,
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Dem Recht euch widerstemmtet,
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Um eitlen Wahn und Lohn;
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Ehrt jetzt die fromme Milde,
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Vor Rudolfs, Karles Bilde,
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Am alten freien Thron,
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Werft euch in Demut nieder,
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Ahmt ihren Enkeln nach!
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Seid ernst wie sie und bieder,
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Seid rechte Fürsten wieder,
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Und werdet endlich wach.

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Du Volk, das dankvergessen,
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Nur tadeltest vermessen,
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Was Hohes dir erschien;
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In der Verblendung lebtest,
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Unwürdig dich bestrebtest,
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Was groß, herabzuziehn:
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Bis dann die dir Gesandten
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Zu spät dein Loben preist,
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So manchen lang verkannten,
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Unwürdig oft genannten
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Von Gott erfüllten Geist.

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Wann ehrtest du im Stillen
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Der Kaiser biedern Willen,
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Die es so treu gemeint?
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Du folgtest jedem gerne,
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Nur deinem rechten Sterne
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War nie dein Sinn vereint!
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Gern wüschet diese Flecken
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Ihr jetzo von euch ab,
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Und möchtet in dem Schrecken
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Mit eurem Blut erwecken
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Die Helden aus dem Grab!

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Frei ist von Schuld nicht einer,
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Ja von uns allen keiner
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Ist, der nicht schwer geirrt.
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Nur laßt uns frei bekennen,
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Und endlich das erkennen
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Was uns so lang verwirrt.
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Wir stehen in der Reihe
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Der edlen Völker doch;
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Wie auch die Zeit uns zeihe,
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Des Unglücks hohe Weihe
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Gibt uns die Krone noch.

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Wie der in wilder Wüste
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Wohl einsam rufen müßte,
138
Wo ihn kein Auge sieht;
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So in der jetz'gen Menge,
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Recht mitten im Gedränge,
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Erschalle du, mein Lied!
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Nicht Unheil nur verkündend,
143
Das überall ja droht,
144
Den Mut auch neu entzündend,
145
Die treu noch sind, verbündend,
146
Besiegend Schmach und Tod.

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So lang der Frühling grünet,
148
Sich Liebe froh erkühnet,
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Die Klage bricht hervor;
150
So lang noch Lieder schallen,
151
Des Herzens Flammen wallen
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Zum Gott des Lichts empor;
153
Und hohe Forscher denkend
154
Die ew'gen Wunder sehn,
155
Den Blick zur Sonne lenkend,
156
Zur Tiefe wieder senkend,
157
Wird deutscher Geist bestehn.

158
Und wären auch des Bundes,
159
Im Raum des Erdenrundes,
160
Genossen weit zerstreut;
161
Noch tönen ja die Lieder
162
In allen Herzen wieder,
163
Der Bund ist bald erneut.
164
Der Zukunft denn entgegen
165
Die schon sich offenbart,
166
Soll sich der Mut bewegen,
167
Die Hoffnung wieder regen;
168
Nur sei sie treu bewahrt.

169
Nicht kaltem Dünkel fröhne,
170
Kein Gottes Licht verhöhne,
171
Wem deutsch das Herz noch schlägt.
172
Nein, freud'ger Ruhm gegeben
173
Sei jedem großen Streben,
174
Wie es auch Namen trägt.
175
Laßt an der Treu' uns halten,
176
Die milder Friede lohnt,
177
Nicht irren Zwist uns spalten,
178
Den Geist nur in uns walten,
179
In dem die Wahrheit wohnt.

180
Also sprach er, hohen Mutes voll,
181
Den kein Unglück hat bezwungen;
182
Nicht von Lob und eitler Klage scholl,
183
Was den Brüdern er gesungen.
184
Der gefangen war, ist wieder frei!
185
Väter, Söhne, Deutsche, strömt herbei,
186
Ewig fest in eins verschlungen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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