Andenken

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Friedrich Schlegel: Andenken (1800)

1
Es ist ein Kind in Weibesblüte,
2
Das steht mir ewig im Gemüte,
3
Und nimmt mir die Gedanken hin;
4
Wo sie ist, fliehn dahin die Tage,
5
Und ist sie fern, so füllt die Klage
6
Mir wonnevoll den stillen Sinn.

7
Laß mich von ihrer Schönheit schweigen,
8
Sie bleibt in Ewigkeit mein eigen,
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Doch bring' ich sie zum Opfer dar:
10
Die Seele, die du einzig liebtest,
11
Die du in Lieb' und Leiden übtest,
12
O Herr! dein Bild und dein Altar.

13
In Trauer leuchtet ihre Schöne,
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Der Brust entfließen Klagetöne,
15
Sie ist des Himmels Zauberkind;
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Ach könnte sie vom Schmerz genesen,
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Und könnt' ich ihre Banden lösen,
18
Ich eilte zu ihr, schnell und lind.

19
Wie würden wir uns selig fühlen,
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Es blühte aus den Frühlingsspielen
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Ein himmlisch Leben wohl hervor;
22
Mit Geistes Arm wollt' ich sie fassen,
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Die zarte Seele nie mehr lassen,
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Und risse sie zu Gott empor.

25
Dort sänken wir am Throne nieder,
26
Und sängen dankbar Liebeslieder,
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Und blieben ewig dann bei Gott;
28
Da endet alles Erdenweinen,
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Kann uns das Leben nicht vereinen,
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Vermähl' uns du, o süßer Tod!

31
Und soll ich denn bei ihr nicht weilen,
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So laß mich durch die Welten eilen,
33
Und sende deinen Diener fort;
34
So weit den Geist die Flügel tragen,
35
So weit der Liebe Wellen schlagen,
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Ein treuer Bote deinem Wort.

37
Ihr Geister aber, euch befehle
38
Zur Obhut ich die Engelseele
39
Daß ihr die Schwester wohl bewacht;
40
Eilt zu ihr hin auf jede Klage,
41
Umschwebet ihre flücht'gen Tage,
42
Gießt Licht in ihrer Leiden Nacht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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