Auf Berges Höhen

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Friedrich Schlegel: Auf Berges Höhen Titel entspricht 1. Vers(1800)

1
Auf Berges Höhen,
2
Da wohnten die Alten,
3
Die Alten, die Ritter des herrlichen Landes!
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In Eisen gewaffnet,
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Aus steinernen Burgen,
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So schauten sie mutig zu Tale hernieder,
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Wo rund die Wälder allgrüne,
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In Sonne und Nebel gekleidet,
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Aus tausend Röhren Erfrischung duften,
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In ew'gem Sturme dumpfe Lieder rauschen,
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Fernher,
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Wie aus hohen Nordens dunkelm Geheimnis.

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Voll von Gedanken und selig
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Stehet der Mann
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Im glühenden Sommer am Gitter,
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Den Helm von den Augen sich drückend,
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Schauet verfolgend
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Die schwindenden Züge,
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Nichtiger Wolken
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Riesengebilde und Rätsel,
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Dazwischen den fröhlichen Schwarm des Geflügels;
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Und lächelt in Freuden,
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Wie breit und langsam
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Der Strom sich windet,
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Bald schwarz, bald silbern,
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Durch grünende Anger.
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Die lustigen Dörfer zur Seite,
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Und zierliche Städte,
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Mit schlanken Türmen und Glockenspiele;
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Langsam dann im Tal gezogen,
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Auf allen Straßen und Wegen
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Orientes Reichtum in vollem Triumphe,
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Wagen und Männer,
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Elefanten und Mohren,
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Blühende Stein' und farbige Früchte,
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Indiens goldenster Segen.
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Wenn der Frühling grünet,
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So schweift er im Walde;
39
Bald im Schwarm der Gefährten,
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Bald vertieft er sich einsam,
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Wo kein Tritt mehr ertönt,
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Wo das Reh nicht mehr flieht,
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Das bedeutend ihn anschaut
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Aus sittsam verständigen Augen.
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Wohl bemerkt er das Zeichen,
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Denn himmlisch naht ihm
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Aus Waldesgrüne
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Die hohe Frau seines Herzens,
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Die schweigend redet;
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Statt nichtiger Worte
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Volle Blumen ihm reichend,
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Zum Bunde der Treue.
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Und beide vom Dufte bezaubert,
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Im Schatten der Linde versunken;
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Schauen in selige Augen,
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Ruhen dem Frühling im Schoße.
57
Freudig umarmt den Helden die Tugend,
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Und inmitten der Freuden
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Gürtet sie ihn mit gewaltigem Schwerte,
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Alle Laster zu tilgen.
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Mutig nimmt er die Waffen,
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Froh der Freuden kehrt er am Abend
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Zu seinem Felsen wieder,
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Wo die Freunde zusammen
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Deutscher Freuden sich freuen.
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Wenn aber die braune Erde erstarrt ist,
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Die Flüsse leuchten wie Eisen,
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In weißem Laube die Wälder schimmern;
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Dann horchen bei fröhlichem Feuer
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Sie alten Geschichten,
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Wie Zwerge künstlich in Höhlen leben;
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Sehen im Geiste
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Dort unten die dunkelste Tiefe,
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Von Lichtern durchschienen,
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Voll Schätze und Märchen.

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So lebten die Ritter, die Alten,
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Die Männer des herrlichen Landes!
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Und schieden sie endlich
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So nahm sie Michael freundlich
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In starkem Arme,
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Von leuchtendem Eisen umkleidet,
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Und trug sie gen Himmel,
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Zu Christus und Karl dem Großen.
84
Voll Andacht kniete der Ritter
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Und neigte das Haupt;
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Ganz brünstig zu schauen
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Den himmlischen Purpur der Liebe,
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Das Blut der ewigen Hoffnung,
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Bis segnend die Hand des Heilands ihn rührte.
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Kräftig ermannt er sich dann,
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Und tritt voll Ehre zu dem alten Karl,
92
Daß der Greis ihm die Hände schüttelt,
93
Und Roland und Reinald gebietet,
94
Ihm volle Becher des Trostes zu reichen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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