A a Adler

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Clemens Brentano: A a Adler (1808)

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Wohl auf ihr klein Waldvögelein, die ihr in Lüf-
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ten schwebt,
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Stimmt an, lobt Gott den Herren mein, singt all, die
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Stimm erhebt;
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Denn Gott hat euch erschaffen, sich selbst zu Lob und Ehr,
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Sang, Feder, Schnabel, Waffen, kommt alles von ihm her.

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Der aller Vögel König ist, macht billig den Anfang,
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Komm Adler! komm hervor, wo bist? stimm an den Vo-
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gelsang,
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Der Vorzug dir gebühret, kein Vogel ist dir gleich,
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Drum dich im Wappen führet, der Kaiser und das Reich.

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Die Bachstelz thut oft schnappen, und fängt der
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Mücken viel,
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Es hört nicht auf zu knappen ihr langer Pfannenstiel,
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Den Schweif thut sie stets zwingen, sie läßt ihm niemals
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Ruh,
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Wenn andre Vögel singen, schlägt sie den Tackt dazu.

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Das lieb Canarivögelein kömmt her aus fremdem Land,
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Es singt gar schön, zart, hell und rein, wie allen ist
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bekannt,
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Den Zucker frißt es gerne, doch nimmt es auch vorlieb,
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Wenn man ihm Hanfsaamkerne, und Rübesaamen giebt.

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Merk auf wie lockt so lieblich mir, der schöne Distelfink,
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Beißt Distel auf und sticht sich nit, sein Witz ist nit
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gering,
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Gar wohl ist er gezieret, schön gelb und roth bekleidt,
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Sein Stimm er nie verlieret, singt fröhlich alle Zeit.

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Der Emmeriz bis zum Abend spat, singt übel, übel hin,
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Er sagt, wenns Feld nur Aehren hat, ich auch ein Schnit-
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ter bin,
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Im Feld thut er sich nähren, bleibt Tag und Nacht
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darauf,
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Was Gott ihm thut beschehren, das klaubt er fleißig auf.

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Des Morgens früh, des Abends spat, der Fink hat
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keine Ruh,
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Die Musen er ins Grüne lad't mit seinem Reit her zu,
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Früh ist gar gut studieren, wenns kühl, still, ruhig ist,
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Steh auf und thu's probieren, du fauler

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Fröhlich der Fink im Frühling singt, sa sa, sa sa
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hui Dieb,
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Im ganzen Wald sein Stimm erklingt, wenns Wetter
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nicht zu trüb,
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Die Dieb will er verjagen, die rund heraus er schilt,
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Dem Sperling thut er sagen, daß er viel Waizen stiehlt.

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Ein rother, dir gar wohl bekannt, ist schön, doch
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singt nicht viel,
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Er kömmt aus deinem Vaterland, heißt Gimpel in der
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Still,
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All thun sich seiner schämen, weil er ein Gimpel ist,
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Thu du ihn zu dir nehmen, weil du sein Landsmann bist.

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Die Henne fröhlich gaggagagt, und macht ein groß
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Geschrei,
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Die Bäurin weiß wohl, was sie sagt, und geht und holt
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das Ey,
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Der Hahn thut früh aufwecken den Knecht und faule
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Magd,
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Sie thun sich erst recht strecken, und schlafen bis es tagt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Clemens Brentano
(17781842)

* 08.09.1778 in Koblenz-Ehrenbreitstein, † 28.07.1842 in Aschaffenburg

männlich, geb. Brentano

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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