Es wohnen zwei Brüder im Lande

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Friedrich Schlegel: Es wohnen zwei Brüder im Lande Titel entspricht 1. Vers(1800)

1
Es wohnen zwei Brüder im Lande,
2
Die hausen weit und breit;
3
Sie haben viele Verwandte,
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Zahllose in dieser Zeit.

5
Sie sind sich mehrenteils Feinde,
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Ein jeder will haben die Welt:
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Mitunter auch einmal Freunde,
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So lange die Welt noch hält.

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Sie reißen sie auf und nieder,
10
Daß Hören und Sehn ihr vergeht;
11
Sie schleppen sie hin und wieder,
12
Weil keiner den andern versteht.

13
Der Ältste schlendert im Rechten,
14
So wie er das Rechte versteht;
15
Der Jüngste schludert im Schlechten,
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Was er als das Rechte verdreht.

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Sie führen Reden unzählig,
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Und hören sich selber so gern;
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Sie sprechen sich selber gefällig,
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Doch ist in den Worten kein Kern.

21
Das sind die feindlichen Brüder,
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Der Alte heißt Schlendrian;
23
Und genialisch bellt wieder
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Der Kleine Schludrian.

25
Der Alte bricht sich die Steine
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Vom Grunde der Mauer heraus;
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Zu flicken und stücken das Seine,
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So Schornstein als Speisehaus.

29
Der Junge würfelt in Freude
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Die Steine mit wechselnder Hand;
31
Er mauert sich sein Gebäude
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In lustigen, fliegenden Sand.

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Das sind die bauenden Leute,
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Die flicken und bauen die Welt;
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Sie flicken und bauen für heute,
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Auf morgen ist niemand gestellt.

37
Es pfeift sein Lied so weiter
38
Der muntre Schludrian;
39
Voll Angst steht auf der Leiter
40
Der alte Schlendrian.

41
Es heißt, wenn ich nicht irre,
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Ihr Vater Schlechtrian;
43
Der in der Zeiten Gewirre
44
Das Rechte nicht finden kann.

45
Er kann aus dem Schlamm sich nicht winden,
46
Noch ändern seinen Sinn;
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Er kann das Ziel nicht finden,
48
Und tappt im Dunkeln hin.

49
Er hat es all' vergessen,
50
Und hält sich die Ohren zu;
51
Die Söhne zanken vermessen,
52
Und lassen ihm keine Ruh.

53
Das sind die Brüder im Lande,
54
Die schreien so weit und breit;
55
Es lärmen all ihre Verwandte,
56
Und machen den Geist der Zeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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