Mahomets Flucht

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Friedrich Schlegel: Mahomets Flucht (1800)

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Gen Medina floh Mahoma,
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Schüttelt tief entbrannt von Zorne,
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An des Mutterlandes Grenze,
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Sich den Staub von seinen Sohlen.
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»undankbare Stammverwandte,
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Wo des Neides Zahn nicht ruhte,
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Bis ich fern von euch entflohen,
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Gern entsagend meinem Blute,
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Ja den Staub auch unsers Bodens,
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Mich zu rein'gen, von mir werfe,
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Fremden Schicksals Rufe folgend.
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O, ihr trübgesinnten Herzen,
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Anzufeinden stets das Hohe!
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Welcher Geist hatt' euch verdunkelt,
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Daß ihr mich nicht dulden wolltet!
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War vom adlichsten der Stämme
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Ich nicht ehrenvoll entsprossen?
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Wem noch fließen von den Lippen
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Des Gesanges Ströme goldner?
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Sieben Dichterwerke strahlen
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Auf den goldgewirkten Rollen;
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Doch mit nichten darf ich scheuen,
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Kühn zu spannen gleichen Bogen,
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Hoher Rede Kunstgewebe
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Schmückend zu so edelm Lohne.
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Denn nicht eilen von der Lippe
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Flüchtig mir nur schöne Worte;
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Die ich dichte, meine Rede
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Quillt hervor aus dem Verborgnen,
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Schwingt sich ruhig fort im Sturme,
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Flammend steigt sie auf zur Sonne,
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Und ich darf mich kühnlich stellen
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Zu den Alten unsers Volkes.
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Wer ist kundiger des Ruhmes,
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Den die Väter einst erworben,
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Jene Helden unsers Stammes,
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Denen nicht die Enkel folgen?
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Das ist Lug nur und Verleumdung,
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Daß ich Neues stiften wollte,
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Mich nur meinend, wie ihr sprachet,
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Einzig dienen meinem Stolze.
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Unsrer Väter alten Glauben,
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Für den mancher Held gestorben,
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Eh' die falschen Götzen kamen,
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Hab' ich neu entzünden wollen;
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Jenen hohen Feuerglauben,
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Der dem Born des Lichts entflossen,
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Aus des Lichtes Strahlen wollt' ich
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Bilden Einer Wahrheit Sonne,
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Und der neuen Götzen Schimmer
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Niedersplittern auf den Boden.
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Dunkel wogen nun die Winde,
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Und ich sehe schon die Wolken,
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Die mein Vaterland umkreisen,
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Und die Donner die ihm drohen.
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Wach geworden ist das Wilde,
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Die Verwüstung braust im Strome;
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Fluten wachsen über Fluten
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Jenem Lande, dem entflohen
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Noch mein Liebesblick gefesselt
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Treulich anhängt, oft betrogen.
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Traurend flieh' ich, schaue traurend
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Rückwärts nach dem Mutterboden,
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Einsam wandelnd durch die Wüste,
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Als der letzte meines Volkes.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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