Der welke Kranz

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Friedrich Schlegel: Der welke Kranz (1800)

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Es war noch Mai, da hast du sie gebrochen,
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In Blumen ausgesprochen, selber Blüte,
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Was blühend im Gemüte schon sich regte,
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Und heilig sich bewegte,
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Was kindlich ach! der Freund so gerne hegte,
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Wenn sie ihr Herzchen legte an das seine,
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Wo ich nun ewig weine.

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Die Veilchen sandte mir das Kind zum Zeichen,
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Die so mein Herz erweichen, daß die Augen
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Den Schmerz, den sie nun saugen, nie vollenden,
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Sich oft noch zu ihr wenden,
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Und finden welk den Kranz dann in den Händen.
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Wie der, hat sie zu enden früh erkoren,
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Sich unbewußt verloren.

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Nimm hin die hohe köstlich liebe Gabe,
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Das einz'ge, was ich habe von der Teuern,
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Ihr Bild mir zu erneuern, wenn in Tränen,
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Dem Tode zu das Sehnen
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So gern entflieht der Erde eitlem Wähnen.
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Doch erst laß mich in Tränen ganz versenken
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Das süße Angedenken!

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Uns, die in Lust des Todes Leben fanden,
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Kühn die Natur verstanden in den Flammen,
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Wo Lieb' und Schmerz zusammen uns verbunden;
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Uns sei die Stirn umwunden,
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Vom Zeichen, dessen Sinn wir längst gefunden.
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Denn sproßten aus den Wunden oft nicht Rosen,
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Uns schmerzlich liebzukosen?

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Laß denn des Mädchens Schatten uns umschweben,
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Der Wehmut hingegeben,
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Bis wir im Tode Eins noch inn'ger leben,
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Und dann dies tiefe Streben ganz vereinet,
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Das lächelnd sich beweinet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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