Monolog

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Friedrich Schlegel: Monolog (1800)

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Ja, ich fühle mich gezwungen
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Endlich dir mein Leid zu klagen.
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Lüfte! könnt ihr mir nicht sagen,
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Wo so lange bleibt die Meine?
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Daß ich irren muß alleine,
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Seufzen nach der Unbekannten;
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Nein, der nur zu wohl Bekannten,
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Die in jedem Traum ich sah,
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Deren Bild mir immer nah,
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Doch vor allem hier im Tal;
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Hier erfreu' ich mich der Qual,
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Hier ergeb' ich mich den Träumen,
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Irrend auf den grünen Räumen,
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Wo der Waldbach rauschend fließt.
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Wenn sich im Gesang ergießt
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Klage hoher Nachtigallen,
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Sie ins tiefe Herz mir schallen,
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Öffnet sich der stumme Mund,
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Tut mir selbst mein Leiden kund,
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Rufend dich, du lang Ersehnte!
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Alles, was ich Freude wähnte,
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Kann mir keine Lust mehr schaffen.
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Fremd sind mir die teuren Waffen,
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Nichts der Rosse kühnes Spiel;
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Ach und was mir so gefiel,
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Lieber Freunde mutig Scherzen,
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Das verwirrt mir nur die Schmerzen,
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Seit ich hin, nicht mehr mein eigen.
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Komm, Geliebte, dich zu zeigen,
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Daß ich dich mit Glanz umkröne!
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Komm, und gib mir deine Schöne
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Mein zu sein, mein Heiligtum!
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Bin ich darum reich an Ruhm,
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Aller Jugend Kron' und Zier,
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Daß ich krank und einsam hier
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Soll umsonst nach Freude schmachten?

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Jede Kunde, die mir brachten
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Ferne Männer, stille Boten,
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Was du mir geheim entboten,
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Was so manche Sommernacht,
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Die ich glühend durchgewacht,
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Durch die Wälder mich getrieben,
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Das ist in der Brust geblieben,
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Alles andre gar verschwunden.
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Keine hatt' ich noch gefunden,
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Die wie ich der Glut ergeben.
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Ach, sie fühlten nicht das Leben,
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Das der vollen Seel' entquillt!
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Keine hat das Herz gestillt,
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Das die Kraft so gern verschwendet.
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Du allein hast Trost gesendet,
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Süße Herrin, du alleine,
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Du an Schönheit einzig Eine,
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Stolze Heldin, herrlich Wesen,
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Die ein Gott wohl auserlesen,
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Daß mir kühne Hoffnung bliebe,
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Wahr zu finden meine Liebe.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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