Fünfzehnte Romanze

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Friedrich Schlegel: Fünfzehnte Romanze (1800)

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Als die Toten nun bestattet
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Sind nach dem Gebrauch der Christen,
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In die Gruft hinabgesenket,
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Mit Gebet und schönen Liedern,
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Zu der frommen Kämpfer Ruhe
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Manches Grab kunstreich gezieret;
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Kaiser Karol mit dem Heere
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Heimwärts nach Paris hinziehet.
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Heil'ge Männer und Bischöfe
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Hat er dorten hinbeschieden,
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Nach des Dionysii Münster,
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Kund zu machen seinen Willen.
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Gotte dankend, der ihn schirmte,
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Gnädig oft ihm half zu siegen,
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Dann auch betend für die Seelen,
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Die in Roncisvall geblieben,
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Und der andren Märtrer alle
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In den spanischen Gefilden,
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Gibt und schenkt für ew'ge Zeiten
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Reiche Gaben er der Kirche,
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Die dem Sankt Denis gestiftet,
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Hohes Gut und Gold und Silber,
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Land und Leute, viele Rechte,
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Daß der Heil'ge künftig schirmen
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Wolle bis auf ew'ge Zeiten,
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Alle, die dereinstens sitzen
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Werden auf dem goldnen Stuhle
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Dieses Reiches, daß im Kriege
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Frankreich stets beschirm' und schütze
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So der Heil'ge, wie im Frieden;
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Tritt dann zu Denisens Leiche,
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Sein Gebet gen Himmel richtend,
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An dem offnen Sarge kniend,
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Daß der Heil'ge wolle bitten
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Für die teuern Kriegsgenossen,
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Die den Märtertod erlitten,
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Daß, der Schulden losgesprochen,
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Ihre Seele ruh' in Frieden.
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In der Nacht nach diesem Tage
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Ist Sankt Dionys erschienen,
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Kaiser Karlen angelobend,
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Daß auf sein Vorwort und Bitte
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Aller Schulden sind entledigt
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Jene frommen Glaubensritter,
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Die für Gottes Ehre streitend,
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In dem Heidenkriege fielen.
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Auch für jene, welche willig
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Fromme Gaben werden stiften,
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Daß der Bau des schönen Münsters
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Sei vollendet, will er bitten. –
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Drauf nach Aachen über Lüttich
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Karol seinen Weg hinrichtet,
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Sich in linder Quelle Fluten,
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Nach der Arbeit zu erquicken,
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Sankt Marien schönes Münster,
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Das er hatte da gestiftet,
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Hat er reich mit Gold und Silber
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Und mit heil'ger Kunst gezieret,
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Ließ mit Fleiß da sorglich malen
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Alle heiligen Geschichten.
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Auch auf gleiche schöne Weise
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Ward die Kaiserburg gezieret,
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Die er dicht am hohen Münster
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Sich zur Freude aufgerichtet;
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Denn da sah man jene Schlachten
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Alle wundersam geschildert,
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Die in Spanien sind gefochten,
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Wo die Heiden sie besiegten;
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Auch die sieben freien Künste,
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Die der Weisheit Kreis umschließen,
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Sah man da nach ihren Zeichen,
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Durch der Meister Kunst gebildet.
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Als das Jahr achthundert vierzehn
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Man nun zählte bei den Christen,
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Sah man wundersame Zeichen,
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Die auf Karles Tod hinzielten.
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Sonn' und Mond hat bei sechs Tagen
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Schwärzlich leuchtend nur geschienen,
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Auch die Worte »Kaiser Karol«,
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Die zur Inschrift dort geschrieben
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Standen an der Wand der Kirche,
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Sah man plötzlich einst verschwinden.
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Einstmals ward es auf der Reise
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Dunkel um ihn her und finster,
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Ganz des Tages Licht verschwunden;
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Von der Rechten fährt zur Linken
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Eine große Feuerkugel,
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Daß erschrocken von dem Lichte,
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Ab dem Rosse er gesunken,
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Und der Bogen, den er hielte,
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In dem Schrecken, in dem Taumel,
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Nach der andern Seite fiele.
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Seine Kriegsgenossen eilten
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Ihn vom Boden aufzurichten;
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Ruhig ist er bald entschlafen,
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Noch manch' milde Gabe stiftend,
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Für die Armen, für die Klöster,
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Gibt er vieles Gold und Silber,
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Daß für seine Kriegsgenossen
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Und sein eigen Heil sie bitten.
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Ruhig in dem Herrn entschlief er,
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Zu empfah'n den Lohn des Himmels;
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Seine Seele ruh' in Frieden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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