Fackeln irrten, Feuer brannten

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Friedrich Schlegel: Fackeln irrten, Feuer brannten Titel entspricht 1. Vers(1800)

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Fackeln irrten, Feuer brannten
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In dem Walde um den Toten,
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Weiße Zelte in dem Grünen
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All der Leid- und Kriegsgenossen.
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Balsam, Aloe und Myrrhen
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Muß die heil'gen Dienste zollen,
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Um den Leichnam zu erhalten,
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Bis er zu der Heimat komme.
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Klaggesänge und Gebete
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Steigen, feierlichen Tones,
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Durch die Nacht in dunkler Stunde,
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Bis zu Gottes hohem Throne.
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Und nun ward ein Suchen, Tragen,
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Als der Gottesdienst vollzogen,
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Bei des Frührots Morgenscheine,
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Jeder für die Seinen sorgend;
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Ein'ge führen sie auf Bahren,
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Aus des Waldes Grün geflochten,
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Tragend andre auf den Schultern,
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Sorgsam andre auf den Rossen,
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Hier den Leichnam balsamierend,
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Dort in neue Klag' ergossen,
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Andre lebend noch Verwund'te,
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Tragen sie mit Sorge schonend.
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Doch des sel'gen Rolands Leiche,
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Trägt auf Teppichen von Golde,
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Eingehüllt im Fürstenmantel,
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Dort ein Maultierpaar erhoben,
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Schmuckvoll in des Zuges Mitte.
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Bis nach Blavas hohem Schlosse
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Hieß ihn Kaiser Karol tragen,
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Dort zu Sankt Romanus Dome,
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Den er selber hat gestiftet
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Und den stolzen Bau erhoben.
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Da ward ehrenvoll die Leiche,
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Mit dem elfenbeinern Horne
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Zu den Füßen, und dem Schwerte
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Ruhend an dem Haupt des Toten,
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In die tiefe Gruft gesenket,
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Bei dem Klang der Trauerglocken.
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Selig wohl sind Blavas Mauern,
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Welche Stadt in ihrem Schoße
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Hat so hohen Gast empfangen,
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Trost dadurch und Schutz gewonnen.
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Da um Roland nun die Klage,
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Nach vollbrachtem Seelenopfer,
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Nach vollbrachtem Totendienste,
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Wieder sich erheben wollte,
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Sprach der gottgeweihte Bischof
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Laut die trostesreichen Worte:
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»o wie sollte, Klag' anstimmend,
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Uns um den zu weinen ziemen,
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Welcher selig im Bezirke
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Wohnet schon des Paradieses?
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Glänzend wohl und ruhmgezieret
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War er, als er wallt' hienieden,
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Doch noch heller jetzo schimmert
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Hoch er über den Gestirnen.
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Denn in seines Herzens Tiefe
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War ja Gottes Wort geschrieben;
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Heiter war er, fromm und bieder,
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Allen er ein Vater schiene,
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War der Ehre Licht und Gipfel
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Und des Rittertumes Zierde.
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Drum so wendet nicht die Blicke
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Zu dem Sarge, wo mit nichten
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Ihr noch könnt den Edlen finden,
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Der jetzt schon hinaufgestiegen
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Ist zu jener Burg des Himmels.« –
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Also lauten jenes frommen
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Bischofs Worte voll des Trostes.
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Manche Helden sie begruben,
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Da Roland bestattet worden,
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Heimwärts ziehend jetzt die Christen
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An viel gottgeweihten Orten.
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Bei Belinum ward begraben
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Oliver und Galdebode,
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Dän' Ogier und Arastagnus
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Mit Guarin und andern Toten.
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Selig ist auch dieses Städtchen
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Wo so große Helden wohnen!
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Bei Bordeaux sind dann begraben,
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Ruhend in Sevrines Dome,
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Sankt Reinhold und Engelerus,
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Mit Gayfer' und den Genossen.
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Durch Toulouse war indessen
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Der Burgunden Schar gezogen,
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Auf dem Aylisfeld bei Arles
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Lagern sie sich mit den Toten,
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Wo auch jene sind begraben,
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Die durch Gottes Hand gestorben,
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Da die Schlacht war bei Garzime,
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In der Kirche eingeschlossen;
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Da begruben die Burgunden
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Klagevoll nun ihre Toten.
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Herzog Naymes auch von Bayern
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Ruhet mit auf dem Kirchhofe.
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Viele Lande schenkte Karol
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Dort zu Blava nun dem Dome,
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Seinem Roland all' zu Liebe,
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Viel des Silbers und des Goldes,
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Manche Gaben, Rechte stiftend,
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Mit dem einzigen Gebote,
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Daß sie künftig keinem andern
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Ihre Dienste leisten sollen,
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Einzig für den Roland betend
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Und für seine Kriegsgenossen.
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Auch am Tage seines Leidens
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Sollen jährlich, wird geboten,
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Dreißig Arme schön bekleidet
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Und bewirtet sein im Kloster;
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Daß des Rolands sie gedenken,
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Der den Armen hat geholfen.
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Dreißig Messen und Vigilien,
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Samt den andern Zeremonien
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Heil'ger Trauer sind gestiftet
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Zum Gedächtnisse der Toten,
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Rolands und der Kriegsgenossen,
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Die den Märterkranz erfochten
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Auf den spanischen Gefilden,
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Streitend für die Ehre Gottes.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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