Nach Jakobus heil'gem Münster

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Friedrich Schlegel: Nach Jakobus heil'gem Münster Titel entspricht 1. Vers(1800)

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Nach Jakobus heil'gem Münster
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Wallet Karl als frommer Pilger,
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Tötet alle Renegaten
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Und belohnt die treuen Christen.
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Er versammelt heil'ge Männer,
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Bischöf', Erzbischöf' und Priester
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Nach dem sel'gen Compostella
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In dem christlichen Galicien
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Dort mit froher Pracht und Andacht
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Einzuweihn die schöne Kirche,
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In des Maien grüner Blüte
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Zu begehn die frohen Pfingsten.
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Manches Recht und milde Gabe
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Schenkt er des Jakobus Sitze,
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Daß, wie Ephesus in Asien,
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Wo Johannes lehrte milde,
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Wie die Pracht der hohen Roma,
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Wo den Tod Sankt Peter litte,
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Also auch das hohe Spanien
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Compostellas Andacht zierte,
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Aller apostol'schen Kirchen
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Zweit' an Rang, an Zahl die dritte.
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So auch zahlet stets vier Pfennig
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Dorthin jeder Hausbesitzer
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In ganz Spanien und Galicien;
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Ledig sind sie alles Dienstes.
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Es erfreun sich mit dem Kaiser
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Nun des Mai'n die frommen Ritter,
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Sitzen unter grünen Lauben
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An den reichgedeckten Tischen,
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Wo auf ihre Winke warten
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Manche schön geschmückte Diener.
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Da war oft ein gutes Tönen
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Von Posaunen und von Cymbeln,
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Und von alter Ritter Taten
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Hörte man gar manche Lieder.
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Karol war von Anblick herrlich,
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Mächtig seine Brust und Glieder;
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Wie des Löwen Augen, funkeln
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Feurig seine hohen Blicke.
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Wen er ansah, mußte oftmals
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Vor dem Blicke bloß erzittern.
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Seine Länge maß acht Fuße,
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Königlich war seine Stirne;
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Ausgelernt war er im Kampfe,
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Und an Kraft fast wie ein Riese.
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Tugendsam war dieser Kaiser
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Auch im Essen und im Trinken.
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Wenig Brotes nur genoß er,
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Nebst dem Viertel eines Widders,
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Ein'ge Hühner, sonst Geflügel,
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Hasen, Pfauen, so man briete;
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In den Wein mischt' er sich Wasser,
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Saß nur einmal Tags zu Tische.
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Seine Stärke war so mächtig,
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Daß er oftmals einen Ritter
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Ganz geharnischt und gerüstet
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Auf der flachen Hand gen Himmel
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Hoch erhoben in die Lüfte.
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Saß er auf dem Stuhl als Richter,
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Ward ein Schwert ihm vorgetragen,
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Nach der alten Kaiser Sitte.
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Viermal trug er Jahrs die Krone
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Und das Szepter, alles schlichtend,
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An dem Weihnachtstag und Ostern,
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Auf Jakobi und zu Pfingsten.
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Hundert zwanzig fromme Edle
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Wachten um sein Bette immer,
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Wechselten zu dreien Wachen,
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Standen also immer vierzig,
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In der Rechten bloße Schwerter,
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In der andern helle Lichter;
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Zehn zum Haupte, zehn zu Füßen,
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Zehn zur Rechten wie zur Linken.
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Ja wer dieses guten Kaisers
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Taten alle wollte wissen,
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Würd' an Worten eh' es fehlen,
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Wär' auch Meister wer im Dichten,
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Um das alles zu entfalten,
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Als es fehlte an Geschichten;
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Wie er edel war und strenge,
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Doch im Sprechen mild und glimpflich,
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Allen spendet reiche Gaben,
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Doch als Richter unerbittlich.
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Wie Galafrus einst der Heide
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Den Verbannten schlug zum Ritter;
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Wie er den Braymant getötet
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Dann, den wildesten der Riesen,
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Der sie grimmig will bekriegen
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Dem Galafrus bloß zu Liebe;
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Wie zum heil'gen Grab er wallte,
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Manche Kirchen, Klöster stiftet,
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Manches Land und viele Burgen
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Dem Dreieinigen gewinnend;
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Wie er heimgebracht das heil'ge
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Holz vom wahren Kreuze Christi,
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Ferner köstliche Reliquien,
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Wohl verwahrt in Gold und Silber,
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Nebst manch seltnem Abenteuer,
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Wird von andern wohl berichtet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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