Dritte Romanze

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Friedrich Schlegel: Dritte Romanze (1800)

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Zahllos wie der Sand am Meere,
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Wie im Meer die Tropfen sind,
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Rief die fernsten Heidenvölker
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Agolante zu sich hin.
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Mohren, Perser, Sarazenen,
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Von Arabien Texephin,
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Afrikaner, Parther kamen
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Und Algarbiens Fürst Ospin.
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Urabell von Alexandren,
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Ferne Äthiopen wild,
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Altumajor von Corduba,
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Von Sevilien Ibrahim.
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Alpinorgos von Majorka,
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Flammend in des Zornes Grimm,
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Manuone, Mekkas König,
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Auch der Berberfürst Facin.
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Wie zum Meere all' das Wasser
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Aus so fernen Landen fließt,
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Kamen die zum Agolante,
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Dachten froh auf Raub und Sieg.
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So erstürmt er nun Agennen
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Das im Baskenlande liegt,
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Sandte Boten hin zu Karol,
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Sinnend arge Tück' und List.
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Goldbeladen reich an Schätzen,
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Sechzig Ross' er ihm verhieß,
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Wenn nur Karl mit wenig Mannen
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Friedlich zu ihm kommen will;
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Bietet Sicherheit und Frieden,
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Als hätt' er ihn noch so lieb,
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Bietet Gold und Edelsteine,
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Wollt' er kommen nur zu ihm.
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Aber Kaiser Karol merkte
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Wohl des Heiden arge List,
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Der ihn nur erspähen wollte,
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Daß er dann ihn töten ließ.
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Mit viertausend tapfern Mannen
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Zog er auf Agennen hin,
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Die am vierten Meilensteine
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Er da heimlich von sich ließ.
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Bis zum nah'gelegnen Berge
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Er mit sechzigen noch ging,
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Da verwechselt' er die Kleider,
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Sandte fort sodann auch die.
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Ohne Lanze, wie ein Bote,
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Auf dem Rücken hing der Schild,
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Nur von einem Knecht geleitet
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Zu dem Stadttor sie einziehn. –
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»wir sind Kaiser Karles Boten
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Die er Agolanten schickt.« –
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Und so führt man sie alsbalde
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Auf die Burg des Sultans hin. –
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»kaiser Karol kommt, o Sultan,
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Wie befohlen ward von dir,
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Kommt mit sechzig guten Rittern,
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Friedlich er dir huld'gen will.«
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Froh ward dessen Agolante,
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Froh er zu den Boten spricht:
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»saget Karlen, daß ich komme,
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Nur mit sechzigen auch ich.« –
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Also sprach zu Kaiser Karlen
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Agolante, kannt' ihn nicht.
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Während der sich eilig waffnet,
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Forschet Karl mit klugem Blick,
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Stadt und Burg durchspäht er fleißig,
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Merkt sich's wohl in seinem Sinn,
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Ob er irgend ein Gebrechen
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Wo an Tor und Mauern sieht.
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Auch die Heidenfürsten alle,
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Von Gestalt und Sitten wild,
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Wandelnd durch der Feinde Straßen
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Späht er alles wohl darin;
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Und dann eilend kehrt er wieder,
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Wo die sechzig hielten still,
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Mit den sechzig zieht er weiter,
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Wo er die viertausend ließ.
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Agolante Kaiser Karlen
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Schaden und Verrat ersinnt.
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Siebentausend starke Reiter
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Aus dem Tore mit ihm ziehn.
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Kaiser Karol mit den Seinen
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Sicher schon im Weiten ist,
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Kehrt mit großem Heere wieder,
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Und mit Sturm die Burg umringt.
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So bedrängt er sie sechs Monden,
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Hat nun bald die Burg besiegt.
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Manches Felsenstück und Feuer
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Er von Türmen in sie wirft,
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Und berennt die Mauern mächtig,
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Bis er brechend sie bezwingt.
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Durch geheimer Schleuse Gang
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Agolante schimpflich flieht,
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Agolante mit den Fürsten
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Fliehen schnöde, sind besiegt.
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Mancher Haufen von den andern
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In dem Fluß Garonne schwimmt;
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Zehnmal tausend Heiden fallen
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Unter Karles Schwerte hin.
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So berichtet was er sah,
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Uns der Erzbischof Turpin.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich Schlegel
(17721829)

* 10.03.1772 in Hannover, † 11.01.1829 in Dresden

männlich, geb. Q42865417

| Schlaganfall

deutscher Kulturphilosoph, Kritiker, Literaturhistoriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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